Montag, 1. Juni 2009

Erziehung und Disziplin

Die Kinder unserer Zeit stellen die Weichen für unsere Zukunft. Doch die fehlende Disziplin macht sich immer mehr bemerkbar, und das nicht besonders positiv. Lässt sich eine liebevolle Erziehung etwa nicht mit Disziplin vereinen? Das Interview mit Dr. Bueb gibt Aufschluss über Erziehungsmethoden und Werte der heutigen Gesellschaft. Diesen werde ich im Folgenden versuchen in eigenen Worten zusammen zu fassen und genauer zu beleuchten.

Ob jemand später ein erfolgreiches Leben führen wird, ist laut Bueb schon an der Erziehung abzulesen. Denn werden die großen Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit in der Erziehung vernachlässigt, werden sie niemals einen großen Stellenwert bekommen. Auch die Sekundärtugenden Gehorsam, Pünktlichkeit und Ordnungssinn sind von großer Bedeutung, da sie helfen, die obigen Werte zu verwirklichen.

Aber durch den Nationalsozialismus wurden Werte wie diese negativ konnotiert, und dadurch wurde Erziehung immer mehr zu „Gärtnerei“. Die Pflanze darf reifen und wachsen wie sie will- sie wird höchstens ein bisschen nachgestutzt. Der Pädagoge Bueb verlangt jedoch nach „Töpfern“.m Das soll heißen, trotz des negativen Zusammenhanges mit der NS-Zeit, Pädagogen, die formen und klare Konturen vorgeben.

Um die Liebe nicht zu vernachlässigen, muss das Hauptmotiv jedes guten Pädagogen Liebe sein. Dadurch verwandelt sich seine Macht in legitime Autorität. Kinder brauchen Disziplin als Rückgrat ihrer Erziehung. Durch Disziplin wird man angetrieben, sie kann bei orientierungslosen Kindern sogar heilend wirken, sie sozusagen wieder auf den richtigen Weg lenken.

Es gibt viele positive Formen der Disziplin, die das Kind zum eigenständigen Tun anregen und den Tatendrang für Leistung fördern. Dem Kind sollte Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Gewissenhaftigkeit nahegelegt werden. Es muss lernen, dass man mit Disziplin mehr erreicht als ohne. Dies wirkt sich insofern positiv aus, indem das Kind die gelernte Disziplin in der Schule oder im Berufsleben erfolgreich anwenden kann. Es weiß, dass es sich lohnt, da es in den Noten und Erfolgen des Kindes ersichtlich wird, wie positiv sich Disziplin auswirken kann. Das Kind muss auch merken, dass diese Erfolge auf sich selbst zurückzuführen sind, damit die positive Wirkung dieses Erziehungskonzepts anhält.

Im Gegensatz dazu gibt es auch negative Formen der Disziplin. Dabei bekommt das Kind von Anfang an mit, dass es zum Beispiel ohne Disziplin es nie zu etwas bringen wird. Wird das dem betroffenen Kind zu viel eingetrichtert, kann es sein, dass es sich im späteren Leben nur an den eigenen Erfolgen misst und sich selbst als Mensch vergisst. Leistung um jeden Preis bringen zu müssen wird zum krankhaften Gedankengut.


Disziplin spielt für mich in der schulischen sowohl als auch in der beruflichen Welt eine große Rolle. Um gute Erfolge verbüßen zu können, ist Disziplin gefragt. Disziplin beinhaltet für mich auch Durchhaltevermögen, welches bei Vorbereitungen auf Tests und Ähnlichem nicht fehlen darf. Auch der Wille, eine Schulkarriere positiv zu absolvieren, muss vorhanden sein. Dieses habe ich leider öfters an vielen Schulkollegen vermisst. Die einziger dieser Schulkollegen und Kolleginnen, die wieder auf den rechten Weg gefunden hat, ist nun zwei Schulstufen unter mir. Das aber auch nur durch Hilfe von außen und viel Arbeit und Disziplin.

Disziplin ist meines Erachtens nicht alleine das „Tor zum Glück“. Es ist viel mehr einer der richtigen Pfade, die zu diesem „Tor“ führen. Sie hilft uns auch, nicht von den anderen Pfaden abzukommen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das „Tor zum Glück“ hat man gefunden, wenn man all seine positiven Eigenschaften samt Disziplin richtig miteinander vereinbaren kann.

Disziplin muss in den richtigen Maßen genossen werden. Sie hilft uns auch nach vorn zu schauen und Leistungen zu erbringen, die uns widerrum im Leben einiges einfacher machen. Sie motiviert uns vielleicht auch dazu, unsere eigenen Kinder mit viel Liebe und Disziplin aufzuziehen. Ein solcher Erziehungsstil wird auch unseren Kindern viel Erfolg im Leben sichern.

Freitag, 13. März 2009

Reportage

Zwei vermummte Unbekannte sind einem Dritten dicht auf den Fersen. In einer dunklen Nische bringen sie ihr Opfer in ihre Gewalt. Das einzige was nun auf diese drei Personen hindeutet, ist das Geräusch dumpfer Schlage und schmerzvolles Stöhnen. Sie sind ein unbeteiligter Passant und der einziger Zeuge dieser Gewalttat. Wie würden sie reagieren?

"Solche Situation sind immer kritisch", meint Sicherheitsexperte und Selbstverteidigungstrainer Udo S. aus Berlin. "Die meisten Menschen sind in Situationen wie dieser oft nicht fähig spontan zu handeln und fühlen sich überfordert und hilflos. Sie versuchen die Situation mit wegschauen und ignorieren auszublenden. Darum ist ein Selbstverteidiungstraining unabdinglich, welches hilft in Gefahrenzonen intuitiver zu handlen und vor allem die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Doch was verlangt die Zivilcourage, wenn man Zeuge eines Raubes, körperlicher Gewalt oder gar Schlimmerem wird? Rudolf H. aus Dresden erlebte so ein Schreckenszenario am eigenen Leib. "Ich war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Ich war müde und unachtsam. Alls diese Männer mich zu Boden stießen und anfingen mir ins Gesicht zu schlagen, war ich so perplex, das ich im ersten Moment gar nicht wirklich reagieren konnte. Als ich meine Notlage erkannte fing ich an zu schreien und meine Angreifer abzuwehren. Doch Hilfe konnte ich keine erwarten. Vorhänge wurden zugezogen, Passanten eilten mit starrem Blick zur Seite davon. Als sie schließlich von mir abließen, konnte ich mir mit letzter Kraft noch einen Rettungswagen rufen."

"Die Geschichte des Herrn H. ist leider kein Einzelfall. Die Zivilcourage als Moral- und Ehrvorstellung hat in der heutigen Zeit einiges an Bedeutung verloren", so Udo S. "Doch auch nur ein Anruf bei der Polizei oder eine Zeugenaussage seitens der Passanten helfen enorm bei der Täterermittlung und stellen auch eine Art Prävention für die Zukunft dar."

Mittwoch, 4. März 2009

Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer

Das Gedicht „Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer“ wurde 1962 vom Deutschen Hans Magnus Enzensberger verfasst. Es richtet sich gegen die breite Masse des Volkes, die im Gedicht als falsche, faule „Lämmer“ bezeichnet wird.
Im Folgenden werde ich dieses Gedicht genauer analysieren und besonders auf die auffälligen rhetorischen Mittel eingehen.
Dieses moderne Gedicht ist aus fünf Strophen zu jeweils acht, zehn, acht, sechs und sieben Verszeilen aufgebaut. Es weist kein festes Versmaß auf und folgt auch keinem Reimschema. Das „lyrische Ich“ wendet sich direkt an die breite Masse, in welche der Leser unweigerlich miteinbezogen wird. Rhetorisch sehr auffällig sind vor allem die Verwendung der Metaphern und die teilweise sehr sarkastisch formulierten rhetorischen Fragen und der Aufbau. Darauf werde ich später genauer eingehen.

Die ersten beiden Strophen bilden zusammen den ersten inhaltlichen Abschnitt, die jeweils aus acht und zehn Verszeilen bestehen. Durch die vielen Enjabements am Zeilenende fällt die akustische und optische Betonung auf die nächste Verszeile sehr stark aus. Auch die Anapher „was“ der ersten Strophe lässt die Fragen, die an die Leser gerichtet sind, viel vorwurfsvoller und ausdruckstärker erscheinen. Die verwendeten Metaphern sind vielseitig deutbar und haben einen sarkastischen Beigeschmack. Durch diese skurrilen Bilder („soll der geier vergißmeinnicht fressen?“) und die direkten Fragen sichert sich Enzensberger die Aufmerksamkeit der Leser. Die rhetorischen Fragen stellt die Gleichgültigkeit der Masse noch mehr in den Vordergrund.

Die in der zweiten Strophe verwendeten rhetorischen Mittel ähneln denen der ersten sehr. Um die Fragen prägnanter zu gestalten werden viele Enjabements, meist nach dem Fragewort „wer“, eingesetzt. Diese rhetorischen Fragen haben einen ebenfalls sehr sarkastischen Charakter und das vorwurfsvolle „denn“ in der ersten Verszeile („wer näht denn dem general/den blutstreif an seine hosen?“) lässt eine Schuld der angesprochenen Menschen an z.B. Kriegen mitklingen. Durch die Anspielungen auf „politruks und päpste“ sowie auch durch die Begriffe „general“ und „blutstreif“ lenkt das Gedicht auch deutlich auf das Thema Politik hin. Enzensberger verwendet in Verbindung mit der Anapher auch einen Klimax und formuliert seine eigentliche Aussage, nämlich die Gier und Bestechlichkeit der Menschen in einer zynisch sarkastische Frage (wer/nimmt das trinkgeld, den silberling, den schweigepfennnig?“).

Im zweiten inhaltlichen Abschnitt, der die letzten drei Strophen beinhaltet, werden die rhetorischen Fragen durch kühl formulierte, konkrete Eigenschaften des Volkes ersetzt. Die breite Masse wird als wahrheitscheu, lern- und denkfaul bezeichnet. In der ersten Strophe des zweiten Abschnitts werden auch zum ersten Mal die Wölfe mit dem Satz „das denken/überantwortend den wölfen“ erwähnt. In diesen ersten vier Verszeilen klingt auch viel Verachtung und Abneigung des Dichters gegen diese Menschengruppe durch. Um die Faulheit der Menschen bezüglich selbstständigem Denken zu verdeutlichen, verwendet Enzensberger die Metapher „der nasenring euer teuerster schmuck“. Gleichzeitig wird diese Verszeile im Schema einer Inversion dargestellt um die Konnotation des Begriffs „Nasenring“ hervorzuheben. Richtig gedeutet soll das heißen, dass die Beschuldigten sich wie Vieh herumkommandieren lassen und dass sie das nicht als besonders störend empfinden. Mit dem verachtenden Klimax „keine täuschung zu dumm, kein trost/zu billig, jede erpressung/ist für euch noch zu milde“ wird auch die Einfältigkeit und Gleichgültigkeit des Volkes ausgedrückt und angeklagt.

In der zweiten Strophe des zweiten Abschnitts wird der Leser wieder direkt angesprochen, da die Vorwürfe direkt an die breite Masse („ihr“) gerichtet sind. Zum ersten und einzigen Mal wird das Volk als „lämmer“ bezeichnet, und auch die „wölfe“ werden beschrieben. Die Lämmer werden mit den Krähen gleichgesetzt und mit der Zeile „ihr blendet einer den andern“ als falsch und hinterlistig enttarnt. Die Wölfe werden als brüderlich und gemeinschaftsfähig („sie gehen in rudeln“) beschrieben. Diese starke Gegensätzlichkeit dieser zweier Gruppen wird durch Enjabements, die akustisch und optisch eine Zäsur zur Folge haben, zusätzlich unterstrichen.

Die in der vorherigen Strophe positiv beschriebenen Wölfe werden in der dritten und letzten Strophe nochmals in Erinnerung gerufen. Die Inversion „gelobt sei´n die räuber“ lässt diese Verszeile wie einen Imperativ klingen, als Aufforderung diese zu huldigen. Die Lämmer jedoch werden wieder nur mit dem allgemeinen Ausdruck „ihr“ bezeichnet, und bezichtigt, absichtlich provokant und unüberlegt zu handeln. Die Metapher „werft euch aufs faule bett/ des gehorsams" wird stark durch das Verb „werft“ beeinflusst, da es auf eine vorsätzliche Handlung hinweist. Das „faule Bett des Gehorsams“ kann einerseits als angenehmer oder bequemer Platz in der Gesellschaft interpretiert werden. Einerseits kann „faul“ auch als schlecht oder nicht vertrauenswürdig ausgelegt werden. Diese Metapher verstärkt den Vorwurf „einladend zur Vergewaltigung“, der aussagt, dass dieser Gehorsam und diese Unterdrückung des Volkes von ihnen selbst gewollt ist. Sie sind zu bequem und denkfaul um sich gegen negative Veränderungen aufzulehnen. Eine Zäsur, die durch ein Enjabement vor der endgültig letzten Verszeile eingeleitet wird, verleiht der kühlen, abfälligen Feststellung „ihr/ändert die welt nicht mehr“ einen verachtenden Charakter.

Dieses Gedicht hat mich im Sinne der tiefgründigen Metaphern und des beißenden Sarkasmus fasziniert. Aber auch klar formulierte Aussagen über das denkfaule Volk stehen im Kontrast zu den Bildern, und insbesondere dadurch bleibt das Gedicht glaubwürdig und regt zum Nachdenken an.
Auch heute noch ist die Aussage des Gedichtes legitim, schließlich wurde es erst vor knapp fünfzig Jahren verfasst. Außerdem bin ich der Meinung, dass das Gedicht in hundert oder mehr Jahren nicht weniger an Gültigkeit verlieren wird, denn denkfaule Mitläufer und unterwürfige Ja-Sager gab es schon vor tausenden von Jahren und wird es auch weiterhin geben.

Abschließend sollte noch einmal die Kernaussage dieses lyrischen Textes verdeutlicht werden. Enzensberger hatte genug von der Falschheit und geistigen Bequemlichkeit der gemeinen Bevölkerung. Obwohl diese als Lämmer bezeichnet werden, stellen sie für die Allgemeinheit eine größere Bedrohung dar als die Wölfe. Sie lassen sich ohne großes Nachdenken leiten und sind in Wahrheit falsch und korrupt. Es gibt zu viele meinungslose Mitläufer und zu wenig eigenständige Persönlichkeiten, die genug Mut und Konsequenz besitzen, um ihre eigene Meinung glaubhaft zu begründen und standhaft zu vertreten.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Begriffsanalyse

Disziplin

Umschreibung
Zucht und Ordnung

Synonyme
a) Einzelwissenschaft, Fachbereich, Fachgebiet, Fachrichtung, Lehrfach, Spezialgebiet, Unterrichtsfach, Wissenschaftszweig
b) Sportart

Antonyme
Nachgiebigkeit, Zuchtlosigkeit;

Überbegriffe
Tugend;

Unterbegriffe
a) Fachdisziplin, Hilfsdisziplin, Paradedisziplin, Rechtsdisziplin, Spezialdisziplin
b) Sportdisziplin, Wettkampfdisziplin, Wurfdisziplin

Beispiele
a) Manche der Geisteswissenschaftler unter den Professoren hätten überhaupt zum ersten Mal mit den Kollegen anderer Disziplinen über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen.
Bei der Positiven Psychologie handelt es sich um eine akademische Disziplin, um Wissenschaft.
Als erster Asiat erhielt der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen 1998 den Nobelpreis. Der in Harvard lehrende Inder geht die großen philosophischen Fragen seiner Disziplin an.
b) Ähnlich wie beim Biathlon werden zwei Disziplinen vereint: vier Minuten Schach, drei Minuten Boxen, wieder Schach et cetera.
Erst wenn die Wunden grob verheilt sind, könne alle das Training in ihrer schwächsten Disziplin, dem Schwimmen, wieder aufnehmen.

Etymologie
lateinisch: disciplina = Lehre, Zucht, Schule

Funktionsbeschreibung
Disziplin hat eine erzieherische Funktion. Sie dient sozusagen als Prävention normverletzenden Verhaltens.

Strafe

Synonyme
Bestrafung, Abrechnung, Buße, Denkzettel, Heimzahlung, Lehre, Sühne, Vergeltung, Vergeltungsmaßnahme, Sanktion, Pönale, Strafvollzug, Folge, Geldstrafe, Strafaktion;

Antonyme
Lob, Preis, Belohnung;

Überbegriffe
Aktion, Handlung, Operation, Gesetz;

Unterbegriffe
Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Hauptstrafe, Jugendstrafe, Konventionalstrafe, Körperstrafe, Nebenstrafe, Todesstrafe, Vertragsstrafe;

Beispiele
Er muss zur Strafe ins Gefängnis.
Für dieses Verhalten bekommst du eine Strafe!

Etymologie
vom Mittelhochdeutschen: strafe in der Bedeutung "Zurechtweisung", "Tadel"

Funktionsbeschreibung
Sanktion, wegen Fehlverhaltens erhaltene Reaktion
Strafen sollen zur Einsicht führen und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung des Fehlverhaltens mindern;

Ist Bestrafung sinnvoll?
Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, kommt es doch auf viele Faktoren des Fehlverhaltens an. Bestrafung im Sinne von körperlicher Gewalt stellt für mich überhaupt keine Lösung dar. Der Bestrafte sollte aus seinem Fehler lernen, und mit physischer Gewalt wird dieser nur verängstigt. Wahrscheinlich macht er diesen Fehler nicht noch einmal, doch daraus gelernt hat er nicht. Darum sollten Strafen meiner Meinung nach auch eine erzieherische Wirkung haben, dem Bestraften sein unangemessenes Verhalten vor Augen führen und ihm zum Umdenken bewegen.




Dienstag, 16. Dezember 2008

Friedrich Schiller: "Die Räuber"

Das Drama „Die Räuber“ wurde von Friedrich Schiller (1759-1805) zur Zeit des Sturm und Drang (1767-1885) verfasst und erschien erstmalig im Jahre 1781. Die Epoche des Sturm und Drang ist stark geprägt durch ein revolutionäres Gedankengut und eine kritischere Sicht der Gesellschaft und fand Anhang vor allem unter der jungen Bevölkerung. Der „Fetzenstil“ (kurze Sätze, viele Ausrufezeichen) ist ein wichtiges Merkmal der Literatur dieser Epoche.
Im Folgenden werde ich mich eingehend mit verschiedenen Thematiken des Werkes, wie der Tyrannei und dem Bild von der damaligen Gesellschaft beschäftigen, klären, inwiefern diese Kritik an Tyrannei und Gesellschaft noch aktuell ist und meinen persönlichen Eindruck bezüglich der oben genannten Themen schildern.

Das Bild von Franz, dem Tyrannen, wird sehr deutlich am Ende des ersten Aktes/erste Szene sichtbar. Franz führt hier einen langen Monolog, er spricht von Macht und Kraft. Seiner Ansicht nach hat der Stärkste die „Erlaubnis“ sich über jegliche Regeln, jede Moral hinwegsetzten. Er sagt: „Jeder hat gleiches Recht zum Größten und Kleinsten, Anspruch wird an Anspruch, Trieb an Trieb und Kraft an Kraft zernichtet. Das Recht wohnet beim Überwältiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze.“ (S.17)
Er hält auch nichts von Bruderliebe oder Vaterliebe. Er nützt jede erdenkliche Chance um seinen großen Bruder Karl vor dem Vater Maximilian schlecht zu machen, was auch an dieser Textstelle gut zu erkennen ist: „Schändlicher, dreimal schändlicher Karl! Ahndete mirs nicht, da er, noch ein Knabe, den Mädels so nachschlenderte, mit den Gassenjungen und dem elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herumhetzte, den Anblick der Kirche, wie ein Missetäter das Gefängnis, floh, und die Pfennige, die er Euch abquälte, dem ersten dem besten Bettler in den Hut war, während daß wir daheim mit frommen Gebeten und heiligen Predigtbüchern uns erbauten?“ (S.11) Franz schreckt auch nicht vor Mord zurückt, zu groß ist sein Hass und Neid auf das „Schoßkind“ Karl. Getrieben von seinen Wahnvorstellungen, befiehlt er im vierten Akt/zweite Szene dem langjährigen Hausdiener Daniel den als Grafen verkleideten Karl umzubringen: „Bei deinem Gehorsam befehl ich dir, morgen darf der Graf nimmer unter den Lebendigen wandeln“. (S.95) Sein Tyrannendasein findet seinen Höhepunkt, als er nicht einmal davor zurück schreckt, seinen eigenen Vater verhungern zu lassen, oder als er versucht, Amalia mit allen Mitteln für sich zu gewinnen. Er meint, ihren Stolz brechen zu können indem er ihr droht, sie ihn ein Kloster zu stecken: „ Noch weiß ich Mittel, die den Stolz eines einbildischen Starrkopfs so hübsch niederbeugen können – Kloster und Mauren!“. (S.77) Doch er bemerkt, dass er nicht einmal damit ihren „Starrkopf“ für sich gewinnt, und seine letzte Drohung ist sie zu seiner Mätresse zu machen. „-meine Mätresse sollst du werden, daß die ehrlichen Bauernweiber mit Finger auf dich deuten, wenn du es wagst und über die Gasse gehst.“ (S.78)

In diesem Werk wird ein sehr negatives Bild von der gehobenen Gesellschaft entworfen. Alle positiven Charaktere sind niederen Standes oder wie Karl Revoluzzer oder „Ausbrecher“.
Karls Ansichten über das „schlappe Kastratenjahrhundert“ wie er es nennt, sind typische Weltansichten der Anhänger des Sturm und Drang. Er hält auch nicht viel von den damaligen Gesetzen: „Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brüchtet Kolosse und Extremitäten aus.“ (S.20) Der von Franz gefälschte Brief vom Vater an Karl ist der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Karl nimmt die von den Räubern vorgeschlagene Rolle als Räuberhauptmann in größter Ekstase an: „ –Räuber und Mörder! – So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauptmann“! (S.32)
In Bezug auf Moral und Ehre vertritt er seine Ansichten von Gerechtigkeit, die Scheinheiligkeit, die schwarzen Schafe der Gesellschaft und auch die Taten der Kirche passen nicht in sein Weltbild: „Da donnern sie Sanftmut und Duldung aus ihren Wolken, und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem feuerarmigen Moloch – predigen Liebe des Nächsten, und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Türen hinweg; […] – Ich bin kein Dieb, der sich mit Schlaf und Mitternacht verschwört, und auf der Leiter groß und herrisch tut – was ich getan habe, wird ich ohne Zweifel einmal im Schuldbuch des Himmels lesen, aber mit seinen erbärmlichen Verwesern will ich kein Wort mehr verlieren. Sag ihnen, mein Handwerk ist Wiedervergeltung – Rache ist mein Gewerbe.
Um auf die positiven Charaktere des Werkes zurückzukommen, darf man keinesfalls Daniel, den frömmigen Hausdiener, vergessen. Seine hohe Achtung vor Gott und sein reines Gewissen hindern ihn daran, den Befehlen seines Herren Franz nachzukommen. Er bleibt standhaft: „ und Ihr wollt mir den letzten Trost rauben im Sterben, daß der Wurm des Gewissens mich um mein letztes Gebet bringe, daß ich ein Greuel vor Gott und Menschen schlafen gehen soll? Nein, nein, mein liebster, bester, liebster gnädiger Herr! Das wollt Ihr nicht, das könnt Ihr nicht wollen von einem einundsiebenzigjährigen Manne.“ (S.96)
Auch Amalia bleibt ihrem versprochenen Karl das ganze Stück über treu. Ihre moralischen Vorstellungen von Mann und Frau hindern sie daran, die Hoffnung auf Karl und ein „Happy-End“ zu verlieren. Als Karl sie jedoch im fünften Akt/zweite Szene auf Grund seines Schwurs gegenüber den Räubern verstößt, sieht sie keinen anderen Ausweg mehr, als sich ermorden zu lassen: „ –Tod ist meine bitte nur. – Verlassen, verlassen! Nimm es ganz in seiner entsetzlichen Fülle, verlassen! Ich kanns nicht überdulden. Du siehst ja, das kann kein Weib überdulden. Tod ist meine Bitte nur!“ (S.137)

Betrachtet man die Kritik an Tyrannei und Gesellschaft zur Zeit des Sturm und Drang im Kontext von heute, wird einem sehr schnell bewusst, dass diese durchaus berechtigt ist. Tyrannei ist immer noch aktuell, es wird immer Menschen geben, die sich aufgrund ihrer Macht und ihrer gesellschaftlichen Stellung über alle Gesetze hinwegsetzen können, sind sie selbst doch das Gesetz. In einigen Ländern der Welt sitzen derartige Tyrannen sogar auf dem Thron oder zumindest in der Regierung, und es ist nicht immer leicht, sich eines Tyrannen zu entledigen.
Auch Karls Feindbilder, nämlich bestechliche, scheinheilige und unehrliche Personen, die wissen, wie sie ihre Macht am besten nützen, gibt es immer noch. Es gibt immer noch Intrigen, bei denen aus falschen Freunden Feinde werden, wie im Buch im vierten Akt/fünfte Szene zu sehen ist. Spiegelberg, der von Anfang an böse Absichten gegenüber Karl gehegt hat, wird von Schweizer ermordet: „Ha, Bestie! Eben recht erinnerst du mich an die böhmischen Wälder! Warst du nicht die Memme, die anhub zu schnadern, als sie riefen: Der Feind kommt? Ich hab damals bei meiner Seel geflucht – fahr hin Meuchelmörder!“ (Er sticht ihn tot) (S.108)

Inhaltlich hat bei mir die damalige Vorstellung von Moral und Ehre den bleibensten Eindruck hinterlassen. Dabei haben mich vor allem die vorbildhaften und ehrenwerten Einstellungen der positiven Charaktere beeindruckt. Ein gutes Beispiel stellt Daniel dar, der auf Grund seiner moralischen Verpflichtungen gegenüber Gott und seinem Gewissen Franz’ Anliegen den Grafen zu ermorden nicht nachkommt: „Gnädiger Herr! ich bin heute einundsiebenzig Jahr alt, und hab Vater und Mutter geehret, und niemand meines Wissens um des Hellers Wert im Leben vervorteilt, und hab an meinem Glauben gehalten, treu und redlich und erwarte itzt ein ruhig seliges Ende, ach Herr,Herr! und ihr wollt mir den letzten Trost rauben im Sterben, daß der Wurm des Gewissens mich um mein letztes Gebet bringe, daß ich ein Greuel vor Gott und Menschen schlafen gehen soll?“ (S.96)
Auch dass Karl sich am Ende des Stückes ausliefert, um so seiner Meinung nach alles zum Guten zu wenden,s ist ehrenswert und vorbildhaft. Mit seiner freiwilligen Auslieferung kann er sogar noch einem Mann helfen: „Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben, als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat – Man hat tausend Louisdore geboten, wer den großen Räuber lebendig liefert – dem Mann kann geholfen weren.“ (Er geht ab.) (S.139) Mit dieser selbstlosen Tat Karls endet das Drama.

Anschließend möchte ich noch erwähnen, dass dieses Werk von Schiller sich nicht hauptsächlich auf die Handlung, sondern vor allem auf die Moralvorstellungen und die daraus resultierenden Konsequenzen konzentriert. Ohne diese Vorstellungen wäre ein solcher Verlauf der Handlung nicht möglich.

Freitag, 31. Oktober 2008

Wahlkampf 08

Im folgenden Aufsatz werde ich mich eingehend mit der Nationalratswahl 08 beschäftigen. Ich möchte einige interessante Gedanken einfließen lassen, wie z.B. meinen persönlichen Eindruck vom Wahlkampf, Themen, denen mehr Gehör geschenkt werden sollte, aber auch Themen, die ich kritisiere, und eine Idee, um den Wahluninteressierten unter uns Politik schmackhafter und leicht verdaulicher zu machen. In den folgenden Absätzen werde ich mich der Reihe nach diesen vier Themen eingehender widmen und auch meine persönliche Meinung dazu abgeben.

Der Wahlkampf 08 wurde von den Parteien SPÖ, ÖVP, den Grünen, der FPÖ und dem BZÖ angeführt. Die Hauptaussage auf vielen Plakaten war auf die bisherige Koalition SPÖ-ÖVP bezogen, und die Parteien versuchten ihre Standpunkte als Neuanfang anzupreisen.
Die SPÖ vertraute auf ihre treuen Wähler und hielt sich mit Aufsehen erregenden Aussagen zurück, und auch bei der Wahl der Plakatgestaltung zogen sie schlichte Plakate vor. Im Gegensatz dazu stieß die rechtspopulistische FPÖ mit ihrem Wahlprogramm und ihren Plakaten, nämlich ihre Einstellung gegenüber Ausländern und ihrem verstärkten Patriotismus, nicht nur auf taube Ohren (Zum Thema Ausländerfeindlichkeit werde ich mich in einem der folgenden Absätze näher äußern.). Der Spitzenkandidat der FPÖ (HC Strache ) sorgte für genügend „schlechte“ Publicity, z.B. mit Aufsehen erregenden Fotos, die ihn mit Gewehren und in eindeutig rechtsradikalen Posen zeigten, was offensichtlich nicht gerade ein Schritt in die falsche Richtung war, denn die FPÖ konnte dieses Jahr sogar ein Platz auf dem Treppchen ergattern. Seine Plakate und Wahlprogramme sollten linksorientierte Wähler zum Umdenken animieren, seine rechtspopulistischen Anhänger bestätigen und neutrale Neuwähler (wie z.B. Jugendliche) auf seine Seite ziehen. Wie man am Wahlergebnis deutlich erkennen kann, ist ihr Konzept aufgegangen.
Das BZÖ vertrat im Wahlkampf die gleichen Interessen, Vorhaben und „Wahlzuckerl“, wie ihr großer Bruder die FPÖ. Sie setzen auf übertriebenen Patriotismus (z.B. „Deinetwegen. Österreich) und geben uns mit ihrer unterschwelligen Botschaft „mehr Sicherheit“ zu verstehen, dass sie sich zu den rechtsorientierten Parteien zählen, da sie jeden straffällig gewordenen Asylanten abschieben wollen.
Die Grünen versuchten Wähler zu gewinnen und die übrigen Parteien in den Schatten zu stellen, indem sie die bisherige Koalition SPÖ-ÖVP kritisierten (z.B. „genug gestritten“) und sich wählernah präsentierten. Doch bei den diesjährigen Nationalratswahlen konnten sie ihr Vorhaben nicht in die Tat umsetzen, liegen sie doch weit abgeschlagen sogar hinter der Splitterpartei BZÖ (Jörg Haider).
Obwohl die eher konservative ÖVP als Spitzenpartei gehandelt wird, haben sie dieses Jahr trotzdem einige Wählerstimmen verloren und aufgrund ihres Wahlprogramms nicht viele Jungwähler angesprochen. Trotzdem holte sich die Volkspartei die Silbermedaille der diesjährigen Nationalratswahl.

In diesem Absatz komme ich nun zu Themen, denen mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Jede Partei verharrte im Wahlkampf meist auf wenigen Themen, insbesondere Themen, die auf Jugendliche ansprechend wirken sollen. Die SPÖ setzte auf die Halbierung der Mehrwertssteuer, die ÖVP auf strengere eine Justiz und Pensionserhöhung. Die rechtsorientierten Parteien FPÖ und die Splitterpartei BZÖ setzten auf verstärkten Patriotismus und Ausländerfeindlichkeit und die Grünen schenkten dem Umweltschutz ihr Hauptaugenmerk.
Meiner Meinung nach hätten diese fünf Parteien auch ihre anderen, sicherlich auch ansprechenden Programmpunkte näher erläutern sollen.
Für mich sind vor allem die Themen Umweltschutz und Bildung von großer Bedeutung. Umweltschutz insofern, da wir für kommende Generationen eine lebenswerte Welt sichern sollten und es mich als Jugendlicher auch anspricht, da ich in 50 Jahren nicht nur noch mit einer Sauerstoffmaske auf die Straße gehen möchte, weil die Luft derartig durch Abgase und sonstige Schadstoffe verpestet ist.
Das Thema Bildung hat bei mir auch einen sehr großen Stellenwert, besonders auf die Studiengebühren und alles rund um das Studium selbst bezogen. Obwohl die Studiengebühren noch vor der Wahl abgeschafft worden sind, glaube ich nicht wirklich, dass dies in Zukunft weiterhin so bleiben wird. Wahrscheinlicher ist es, dass dieser Schritt in Richtung fairere Bildungschancen eher ein „Wahlzuckerl“ war und in nächster Zeit wieder rückgängig gemacht wird. Doch das hoffe ich nicht, denn jeder hat ein Recht auf Bildung, ob derjenige Geld hat oder nicht.
Meiner Meinung nach wäre es wichtig, dass die einzelnen Parteien im Wahlkampf noch erläutern sollten, wie sie ihre Programmpunkte in die Tat umsetzen möchten. Denn es ist sicherlich hilfreich, abschätzen zu können, welches Wahlzuckerl in nächster Zukunft als realistisch umsetzbar gilt oder nur dem Zweck dient, möglichst viele gutgläubige Wähler zu gewinnen.


Eine Kritik möchte ich am Wahlprogramm der Freiheitlichen Partei Österreich anbringen. Ihre rechtspopulistischen Aussagen gegenüber AusländerInnen und AsylantenInnen schockieren viele, wie auch mich. Was mich jedoch sehr wundert, ist, dass die Öffentlichkeit den Rechtspopulismus der FPÖ und BZÖ so akzeptierte, wie sie ihn in ihrem erbitterten Wahlkampf publik gemacht haben.
Die FPÖ scheut sich nicht vor abwertenden, rassistischen Äußerungen, verwendet dubiose Slogans auf ihren Plakaten und verhält sich menschenverachtend gegenüber „Nicht-ÖsterreicherInnen“. Obwohl ich auch nicht dafür bin, jeden Asylantrag zu bewilligen, sollte man politischen Flüchtlingen zumindest die Chance auf ein Leben in Sicherheit und mit Lebensqualität geben.
Mit ihren rassistischen Aussagen befinden sich Strache und seine Anhänger meiner Meinung nach gerade noch an der Grenze zum extremen Rechtspopulismus. Dennoch schnitt die Freiheitliche Partei im Wahlkampf prozentuell sehr gut ab. Doch ich glaube oder hoffe, dass die FPÖ-Wähler, insbesondere die Jungwähler, sich allzu sehr von seinen Aussagen leiten haben lassen, und seine wahren Absichten nicht ganz begriffen haben.
Da die rechtsorientierte Partei FPÖ sich in den Medien, auf ihren Plakaten und ihrer Wahlwerbung hauptsächlich auf diesen Punkt, nämlich auf „Ausländer raus“, beschränkt haben, und mir sonst fast überhaupt keine anderen Programmpunkte zu ihnen einfallen, haben sie meine größte Kritik am Wahlkampf verdient.

Wahlmüdigkeit und politisches Desinteresse? Die Parteien hofften durch die Senkung des Wahlalters auf eine neue Zielgruppe, die sie auf ihre Seite ziehen können, doch die Mehrheit der Jugendlichen blieben am Wahlsonntag lieber zu Hause. Obwohl in der Schule wochenlang besprochen, diskutiert und recherchiert wurde, gehört Politik noch immer nicht zu den Interessen der Jugendlichen. Den meisten Jugendlichen ist gar nicht bewusst, was ihre einzelne Stimme alles verändern kann- im guten und im schlechten Sinn- denn jede Stimme zählt! Ihnen scheint die Welt der Politik zu abstrus und kompliziert, als dass man sich schon damit beschäftigen müsste. Ein gutes Beispiel stellt die Wahlkabine auf einer Webseite dar. Sie ist eine öffentliche Homepage, die Wahlunsicheren durch Standardfragen ihre Interessen erforscht und ihnen dann die passende Partei vorschlägt.
Die Parteien sind zwar bemüht, auch Jugendliche dazu zu motivieren, sich für Österreich einzusetzen, doch dieser Plan ist schwer umzusetzen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich die Politiker noch nicht gänzlich auf jugendliche Interessen eingestellt haben.
Damit Parteien auch auf Jungwähler attraktiv und ansprechend wirken, sollten diese sich auch auf Themen konzentrieren, die Jugendliche für wichtig halten, wie zum Beispiel eine gesicherte Lehrstelle, ein Anspruch auf eine weiterführende Schule, ein besseres öffentliches Verkehrsnetz oder auch ein gesichertes Einkommen, speziell für Lehrlinge und Praktikanten.
Denn welcher 16-Jährige entscheidet sich für eine Partei, deren größtes Anliegen die Pensionserhöhung ist?

Zum Schluss möchte ich noch betonen, dass ich das herabgesetzte Wahlalter trotzdem als gute Idee empfinde, da man sich so früh wie möglich mit Politik beschäftigen sollte. Nicht nur passiv wie z.B. in der Schule, sondern auch aktiv wie dieses Jahr, als zum ersten Mal auch 16 und 17-jährige zum Ergebnis der Nationalratswahl beitragen durften.
Noch kurz zur Wahl im Allgemeinen: Die einen Parteien setzten auf Zurückhaltung, wogegen andere Parteien „schockierten“ und Aufsehen erregten und trotzdem punkteten. Dazu möchte ich noch sagen, dass ich es als beängstigend empfinde, dass die Mehrheit der BürgerInnen solche rechtsorientierten Ansichten als „gottgegeben“ akzeptieren und dass nicht gezielt gegen solche Patrioten im negativen Sinne protestiert wird.
Damit sich Parteien für kommende Wahlen auch einige Jungwählerstimmen sichern, sollten sie im Wahlkampf verstärkt auch auf deren Interessen eingehen. Und damit das politische Interesse geweckt und die Wahlmüdigkeit vertrieben wird, sollte Politik auch für Wähler, die keine Zeit oder Lust für Recherchen haben, verständlicher und wählernah sein.

Montag, 2. Juni 2008

Abend

Das Sonett ,,Abend“ wurde von Andreas Gryphius (1616-1646) in der Barock-Epoche verfasst. Es beschäftigt sich mit dem Motiv Memento-mori (= Gedenke des Todes). Im Folgenden werde ich auf die einzelnen Merkmale und auf die Details näher eingehen.

Dieses Gedicht besteht aus 2 Quartetten und 2 Terzetten, die auf dem typischen Metrum, dem Alexandriner (ein sechs-hebiger Jambus), aufgebaut sind. Der Rhythmus ist regelmäßig und die erste und zweite Strophe folgen dem Reimschema abba, die dritte und vierte Strophe bestehen aus dem Reimschema ccd bzw. eed. Die männlichen und weiblichen Kadenzen treten wie folgt auf : mwwm mwwm wwm wwm.
Sprachlich auffällig ist vor allem das Enjabement, das oft vorkommt, die Imperative und die Metaphern.

Die ersten beiden Verszeilen der ersten Strophe versinnbildlichen den Einbruch der Nacht, der mit einer Metapher dargestellt wird. Der Einbruch der Dunkelheit wird mit dem Bild ,,die Nacht schwingt ihre Fahn“ verdeutlicht. Auch ,, und führt die Sterne auf“ ist eine Metapher, die die Dämmerung bildlicher darstellt.

Die zweite Strophe beinhaltet in nahezu jeder Verszeile eine Metapher. Angefangen bei der ersten Zeile wird ,,der Port“ als Himmelspforte dargestellt, wo ,,gleich wie dieses Licht verfiel ich und du und alles was man hat und sieht, hinfahren“. Das bedeutet, dass jeder, wenn er stirbt, zu diesem Ort hinkommt. In der letzten Verszeile wird das Leben mit einer Rennbahn verglichen, was heißen soll, dass das Leben sehr schnell vorbei ist.

In der dritten Strophe werden viele Imperative, die als Rufe zu Gott dienen, verwendet. Bei der ersten und zweiten Verszeile wird außerdem eine Anapher verwendet (Laß, hächster Gott, … Laß mich nicht Ach) Dadurch wird das ,,Laß“ leicht betont, obwohl es nach dem Metrum eigentlich unbetont gehört. In der zweiten Verszeile wird ein Klimax (Ach, Pracht/ Lust, Angst) verwendet.

In der vierten und letzten Strophe wird das Sterben mit einer Periphrase umschrieben (,, wenn der müde Leib entschläft“) und die Seele wird personifiziert Es ist wieder ein Enjabement zu finden, nämlich von der zweiten in die dritte Verszeile. In der zweiten Zeile wird der Tod oder das Sterben wieder im Zusammenhang mit einer Periphrase verwendet (,, und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen“) Die zweite und die dritte Zeile aus dem zweiten Quartett werden durch ein Enjabement miteinander verbunden. Die Schlusszeile beinhaltet einen Imperativ und dient als indirekter Ruf an Gott (,, so, reiß mich aus dem Tal der Finsternis zu dir“)

Das Gedicht würde sicher noch in unsere Zeit passen. Der Anfangssatz ,, der schnelle Tag…“, diese ersten drei Worte, spiegeln schon mal einen großen Teil des modernen Alltags wieder, man lebt zu schnell. Die Leute früher hatten nicht so sehr Angst vor dem Tod, sonder davor, was sie nach dem Tod erwartet. Das zeigen die Bitten und Rufe im Gedicht (,,Laß, höchster Gott“). Wir haben nicht so sehr Angst, was nach dem Tod auf uns wartet, sonder was kurz vor dem Tod ist, nämlich das Altern.

Zum Schluss möchte ich noch einmal zusammenfassen, wodurch sich dieses Gedicht auszeichnet. Der Imperativ, wird als Ruf an Gott verwendet, die Metaphern werden hauptsächlich in den beiden Quartetten verwendet. (= um den Einbruch der Nacht zu versinnbildlichen) Die einzelnen Verszeilen der Quartette werden durch Enjabements geschickt miteinander verbunden.