Dienstag, 27. April 2010

Globalisierung- Fluch oder Segen?

Die Globalisierung bedeutet für die Menschheit des 21. Jahrhunderts Segen und Fluch zugleich. Eine zunehmende wirtschaftliche Vernetzung steht einem wachsenden Spannungsfeld zwischen verschiedenen Kulturen gegenüber, bestes Beispiel dafür sind die sich häufenden Terrorakte. Ein Kommentar von Nikolas Piper als Textgrundlage soll Aufschluss über Zusammenhänge zwischen der Globalisierung und terroristischen Anschlägen geben.

Nikolas Piper nimmt in seinem Kommentar vom 12.08.2006 zur Globalisierung Stellung. Für weltweite Terrororganisationen ist die Globalisierung auf der einen Seite eine willkommene Möglichkeit ihre Verbrechen auf globaler Basis auszuüben, auf der anderen Seite scheint es, die Globalisierung schüre ihren Zorn auf Ideologien der westlich orientierten Welt nur noch mehr. Laut Nikolaus Piper bezieht sich diese Ablehnung gegen den globalen Kapitalismus nicht nur auf Anhänger des Islams, auch Lateinamerika und sogar die alten Industrieländer stehen der Globalisierung feindlich gegenüber. Um diese Einstellung zu ändern, steht eine Option an oberster Stelle: Globalisierung muss gerecht sein. Außerdem braucht es für eine internationale Ordnung eine Institution, welche den Überblick über die Einhaltung des Grundsatzes, andere in ihren Rechten zu respektieren und niemanden zu diskriminieren, behält. Diese Rolle kommt in diesem Fall den Vereinigten Staaten zu, die dazu augenscheinlich nicht mehr in der Lage sind, auf Grund vieler Faktoren, wie Kriege und die Unzufriedenheit der Bevölkerung.

Die Macht des Einzelnen darf aber nicht allzu groß werden, Entscheidungen, egal in welcher Hinsicht, müssen gemeinsam getroffen und Regeln gemeinschaftlich erstellt werden. Wächst die Macht ungleich, so ist die Grenze zum Imperialismus nach Meinung Pipers schnell überschritten. In einigen Teilen der Welt stellt die Globalisierung heute schon ein imperialistisches Gebilde dar, sogar in Staaten wie Deutschland, welche eigentlich gut ins globale ökonomische Netz eingebunden sind.

Als Gründe für Widerstände gegen die Globalisierung nennt Piper das unaufhörliche Wachstum der Kapitalmärkte auf Grund technischer Fortschritte, Indien und China als neue Konkurrenz auf dem Weltmarkt, aber auch, dass die Glaubwürdigkeit der USA als Supermacht nachgelassen hat. Deshalb sind der Kampf gegen den Terror und die Zusammenarbeit von Weltmächten und Entwicklungsländern für eine internationale Weltwirtschaftsordnung sehr wichtig.

Im Hinblick auf Globalisierung wird meist nur die Gesamtheit der einzelnen Länder, Staaten und Kontinente erfasst. Doch es darf nicht vergessen werden, die Auswirkungen auf die kleinste Einheit dieser Verflechtung zu beachten, den einzelnen Bürger. Es eröffnen sich auf der einen Seite eine weite Bandbreite aus Jobmöglichkeiten auf der ganzen Welt, auf der einen Seite werden in letzter Zeit immer häufiger Arbeitsplätze in Entwicklungsländer verlegt, da die Lohnkosten in Dritte Welt Ländern einfach horrend niedrig sind. Außerdem kommt hinzu, dass die Arbeitsplatzchancen im eigenen Land durch Immigranten deutlich sinken. Diese Aussichten können wieder Auslöser für Fremdenhass sein, auch die unterschiedlichen Kulturen beanspruchen Toleranzbereitschaft. Noch dazu verändert die Globalisierung Kulturen auch. Man spricht von einer „Hyperkulturalität“, das oberflächliche, äußere Erscheinungsbild vieler Kulturen ist den Erwartungen und Forderungen der westlich orientierten Globalisierung gewichen. Damit ist zum Beispiel gemeint, dass viele Einheimische in Touristendestinationen ihre eigene Kultur, Religion und Lebensweise in den Hintergrund stellen, um dem Urlauber aus den mitteleuropäischen Industriestaaten heimischen Komfort, wie etwa bekannte Lebensmittelläden, Gasthäuser und mehrsprachiges Personal zu bieten. Der durchschnittliche Tourist von heute möchte nicht auf seine Gewohnheiten und die Tourismusbranche nicht auf ihre Einnahmen in Milliardenhöhe verzichten.

Bildung ist leider immer noch für viele ein Privileg. In Zeiten der Globalisierung ist sie aber ein unabwendbares Muss, um in dieser Gesellschaft Fuß fassen zu können. Im Sozialstaat Österreich ist Bildung zum Glück nicht mehr eine Frage des finanziell Möglichen, da Pflichtschule und weiterbildende Institutionen meist kostenfrei sind und sonst gefördert werden. Dies hat aber auch wieder Auswirkungen auf den Einzelnen, der durch seine monatlichen Steuerabgaben dieses System mitfinanzieren muss.

Ist nationale Abschottung eine Alternative zur Globalisierung? Meiner Meinung nach nicht, wir haben uns zu sehr an die Vorteile der globalen Gesellschaft gewöhnt. Stellen wir uns nur mal vor, Österreich würde von heute auf morgen alle wirtschaftlichen und politischen Bündnisse aufgeben; es würde uns nicht nur bezogen auf Lebensmittel einiges fehlen, auch die österreichische Exportwirtschaft würde zusammenbrechen. Es gäbe keinen Fremdenverkehr mehr und auch viele Unternehmen, die ihre Standorte außerhalb des Vaterstaates haben, würden nicht mehr so weitergeführt werden können wie bisher. Überträgt man diese Szenerie auf Europa, so wird ersichtlich, dass es europaweit im Bereich des Möglichen läge, sich vom Rest der Welt abzuschotten, da auf mehr Staaten und Einwohner mehr Alternativen zu den aufkommenden Problemen geben würde. Jedoch würden trotzdem noch Handelsabkommen mit Nordamerika, asiatischen Staaten und der restlichen Welt und politische Vereinbarungen verfallen, was nicht ausdenkbare wirtschaftliche, aber auch soziale Konsequenzen mit sich bringen würde, wie zum Beispiel Kriege und Unruhen.

Globalisierung ist in meinen Augen im Wesentlichen als etwas Positives zu betrachten. Sie bringt die verschiedensten Kulturen zueinander, ob freiwillig oder unfreiwillig, schafft eine neue, moderne Weltsicht und lässt auf eine wirtschaftlich und sozial gleichberechtigte Gesellschaft der Zukunft hoffen. Vorausgesetzt, die Menschen lernen, die Grundsätze der Menschenrechte, wie etwa Freiheit und Akzeptanz, anzuwenden. Sollte dies wirklich einmal der Fall sein, sehe ich kein Problem in einer global orientierten Weltgemeinschaft. Viele Vorteile resultieren aus einer solchen Gemeinschaft, durch kulturelle und ideelle Unterschiede können neue Wege eröffnet werden, ein konstruktiver Austausch von Ideen und Wertvorstellung wird möglich.

Abschließend möchte ich noch einmal bekräftigen, dass meiner Meinung nach nicht viel gegen eine zukunftsorientierte Globalisierung spricht, natürlich in Anbetracht dessen, dass die kulturelle Individualität der einzelnen Staaten der Welt und die Rechte der Menschen akzeptiert werden. Nur so kann die Welt in eine wirtschaftlich positive und sozial gefestigte Zukunft ohne Terror und Kriege blicken.

Mittwoch, 21. April 2010

Kritik Woyzeck

Der Soldat Woyzeck- die problematische Geschichte eines einfachen Mannes, die auch im 21. Jahrhundert noch nachvollzogen werden kann.

Bregenz. Das Stück Woyzeck nach Georg Büchner lässt viele wieder an ihre Schulzeit zurückdenken. Es hat den Ruf einer Pflichtlektüre und wird auch meist so behandelt. Doch was passiert, wenn Alexander Kubelka es sich zur Aufgabe macht, Woyzeck eine moderne Note zu verpassen? Er gestaltet das Bühnenbild sehr spartanisch, indem er lediglich eine große, dunkelgraue Plane als Hintergrund einsetzt, welche sich je nach Szene in ein „weites Feld“, ein „Wirtshaus“ oder sogar einen „Marktplatz“ verwandelt. Eine großartige Idee, die dem Bühnenbild, welches im Originalstück nicht weiter beschrieben wird, einen einzigartigen Charakter verleiht.


Die Akteure nahmen aktiv am sich verändernden Bühnenbild teil und halfen mit, die Plane, welche durch Zugseile gezogen wurde, immer wieder zu einer neuen beeindruckenden Konstruktionen zu gestalten.

Heinz Weixelbraun, in der Hauptrolle des Woyzeck, schaffte es, diesen verzweifelten, ständig hinterfragenden Charakter authentisch zu präsentieren. Neben seiner Schauspielkollegin Katrin Hauptmann als bestechlicher Marie und Jens Ole Schmieder als lässigen Tambourmajor, glänzte die Gesamtinszenierung vor allem durch die Neubesetzung des Doktors durch Tamara Stern. Die Einfachheit des Stils Kubelkas in Hinsicht auf Woyzeck vermittelt der Inszenierung eine Balance aus originaler Antiquität und moderner Qualität. Durch längere Sprechpausen und sehr deutlicher Aussprache des Textes hat es Kubelka geschafft, die Probleme menschlicher Konversationen darzustellen und sie wie Monologe erscheinen zu lassen.

Mit viel schauspielerischem Talent, einer großen Portion Konzentration und einer fehlerfreien, originalgetreuen Textwiedergabe konnten die Akteure die Besucher der Premiere am Kornmarkttheater begeistern.

Begleitet wurde das Stück musikalisch durch heftige Technorhythmen, die immer wieder als kurze Sequenzen eingespielt wurden, und durch die österreichische Band Naked Lunch, welche mit emotionsgeladener Musik überzeugte, aber niemals übertrieben wirkte und die ganze Inszenierung abrundete.

Alles in allem eine gekonnte Interpretation, welche die Zuschauer zwei Stunden lang fesselte, und die Grundproblematik Woyzecks näherbrachte.

Samstag, 27. Februar 2010

Problemarbeit mit Textgrundlage

Der weltweite Energieverbrauch hat in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg zu verzeichnen. Ob sich dieses Wachstum in naher Zukunft wieder reduzieren wird, bleibt eher fraglich. Ein Text von Gerald Winter, Professor an der Universität Oslo, beleuchtet dieses kritische Thema näher, ich werde im Folgenden die Grundgedanken seines Schreibens zusammenfassen und anschließend nachhaltige Energieformen und ihre Effizienz anführen.

Glaubt man aktuellen Prognosen, wird die Weltbevölkerung bis zum Jahre 2025 auf über 7,5 Milliarden anwachsen, das heißt, es wird sehr wahrscheinlich einen Zuwachs von ca. 1,5 Milliarden Menschen geben. Dies zieht einen unweigerlichen Energieverbrauchsanstieg mit sich. Gerald Winter zieht dafür vor allem die Industrieländer zur Verantwortung, und zwar auf Grund ihres steigenden Energiebedarfs. Aber auch die positive Bevölkerungsentwicklung und die Entwicklungs- und Schwellenländer, welche die Standards der westlichen Länder anstreben, dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit den vorhandenen Energieressourcen fällt vor allem den Industrieländern zu, da diese jährlich pro Person ungefähr zehnmal so viel Energie verbrauchen, wie vergleichsweise Personen in den Entwicklungsländern. Genauer gesagt, verbrauchen die Industrieländer mehr als die Hälfte der Energie, obwohl sie nur sechzehn Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in der dritten Welt, doch auf ihr Konto gehen nur ein Viertel der weltweit verbrauchten Energie. Das allergrößte Problem liegt aber wohl darin, dass sich die Entwicklungsländer dem heutigen Lebensstandard der Industrieländer annähern wollen.

Weit mehr als drei Viertel der globalen Energie werden durch Erdöl, Erdgas und Kohle erzeugt. Diese fossilen Brennstoffe sind allerdings sehr ungleichmäßig über die Erde verteilt, da knapp 70 % der Ressourcen hauptsächlich auf das ehemalige Staatsgebiet der UdSSR und auf den Orient entfallen. Lediglich 3% der vorhandenen Erdgasvorräte und 2% der Erdölvorräte befinden sich im Westen Europas.

Da die fossilen Energiequellen jedoch nicht unbegrenzt vorhanden sind, und der weltweite Verbrauch an Energie wie bisher weiter ansteigt, wird damit zu rechnen sein, dass diese Energiequellen sehr knapp werden und daher auf Grund der ständigen Nachfrage entsprechend teuer werden. Deshalb müssen schon heute Vorkehrungen für eine alternative Energieversorgung der Zukunft getroffen werden. Nachhaltige Energieträger wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse könnten die Energielieferanten für kommende Generationen darstellen, da sie sich entweder kurzfristig von selbst erneuern, beziehungsweise deren Nutzung nicht zur Erschöpfung der Quelle beiträgt. Außerdem sind sie weitaus umweltfreundlicher als fossile Brennstoffe. Zwar stammen beide Energieträger aus der Natur, doch tragen erneuerbare Energieformen nicht negativ zu den Emissionswerten bei und belasten die Atmosphäre nicht. Auch die Kosten, die für erneuerbare Energien anfallen, sind in den letzten Jahren gesunken, wenngleich auch die Preise für fossile Brennstoffe Jahr für Jahr weiter in die Höhe schnellen.

Aber wie kann der Einzelne seinen Beitrag dazu leisten, mit den noch vorhandenen Energieressourcen auf der Welt sinnvoll umzugehen? Der bewusste Umgang sollte schon im Kleinen in jedem Haushalt stattfinden. Es muss nicht ständig das ganze Haus beleuchtet sein, die Nutzung von Nachtstrom für Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner, etc. wäre empfehlenswert, und auch eine hauseigene Solarenergieanlage ist eine Investition für die kommende Generation. Staatliche Energiesubventionen sollten erhöht und attraktiver gemacht werden, damit Privatpersonen nachhaltige Energiequellen als erstrebenswert erachten. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Globalisation sicher eines der Hauptprobleme, globale Transporte verbrauchen einen sehr hohen Anteil an Energie. Flugzeuge haben einen immensen Emissionswert, wogegen eine Zugfahrt sich viel umweltfreundlicher auswirkt. Kleine Wegstrecken könnten auch zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Falls möglich, ist es sicher ratsam, verstärkt auf Fahrgemeinschaften und öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen und somit der Umwelt etwas Gutes zu tun.

Die noch vorhandenen Energieressourcen, die jeder von uns gewohnt sind, werden knapp. Um die Erde auch für weitere Generation noch lebenswert zu gestalten, müssen wir umdenken und uns um nachhaltige Energieträger kümmern, die den Planeten nicht weiter auslaugen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Gedichtvergleich_SA 1

Gottlieb List (1687 – 1750) regt mit seinem Gedicht der Aufklärung „Lob der einsamkeit“ den Leser an, sich der Einsamkeit zu erfreuen und dieselbige zu genießen und auszukosten, wogegen Rose Ausländer, eine jüdische Dichterin der Moderne, (1901 – 1988) mit „Einsamkeit II“ die Einsamkeit als etwas äußerst Negatives darstellt, das unweigerlich mit Alleinsein und Verlassenwerden verknüpft ist. Ich werde im Folgenden aufzeigen, wie unterschiedlich der Zustand „Einsamkeit“ wahrgenommen werden kann und dazu die beiden Gedichte „Lob der einsamkeit“ und „Einsamkeit II“ miteinander vergleichen.

Das lyrische Ich des Gedichtes „Lob der einsamkeit“ beschreibt die Freude und Wohlgefallen an der erlebten Einsamkeit, sie wirkt tröstend und sorgt dafür, dass wird durch sie das „was gerecht und edel heist“ finden können. Insgesamt umfasst das Gedicht drei Strophen zu je vier Verszeilen, und kann grob in zwei Sinnabschnitte eingeteilt werden. Der erste Sinnabschnitt besteht aus der ersten Strophe, welche die Einsamkeit aus Sicht der Masse und eigener Sicht darstellt. Mit den übrigen beiden Strophen begründet das lyrische Ich seine eigene Einstellung zur Einsamkeit. Ein umarmender Reim zieht sich durch das ganze Gedicht. Optisch auffällig sind die vielen Beistriche, welche für die Zäsuren verantwortlich sind. Das Versmaß ist ein vierhebiger Trochäus mit männlicher Endung, wobei sich dies nur auf die jeweils erste und letzte Zeile der einzelnen Strophen bezieht, die übrigen Verszeilen werden auch von einem vierhebigen Trochäus bestimmt, jedoch ist deren Endung stets weiblich.
Rhetorisch auffällig ist in der ersten Strophe die doppelte Verneinung „Schimpflich ausgehöhnet“ in Zusammenhang mit der Meinung anderer zur Einsamkeit. Die gegensätzliche Einstellung des lyrischen Ichs wirkt zudem noch als Verstärkung („ Nichts vergnüget mich auf erden, / Als wenn ich alleine bin“). In diesem Fall wird Einsamkeit als Sinnfindung empfunden, das lyrische Ich findet „Was gerecht und edel heist“ durch „Stilles leben“ und spricht in der dritten Strophe davon, dass Einsamkeit tröstend wirkt.

Dass Einsamkeit auch bedrücken und traurig machen kann, wird in „Einsamkeit II“ schnell klar. Rose Ausländer verbindet Einsamkeit mit Verlust, mit Schlaflosigkeit („du wirst verlieren / Menschen und Schlaf“) und auch sprachliche Differenzen werden angesprochen. Die „geschlossenen Lippen“ welche zu „fremden Lippen“ sprechen, verbildlichen Kommunikationsstörungen, die „Lippen“ stehen als Symbol für Sprache und Verständnis.
Das Gedicht hat an sich kein fixes Reimschema, und es gibt auch kein eindeutiges Reimschema. Der erste Absatz ist Einleitung und erster inhaltlicher Abschnitt zugleich, „die Weissagung der Zigeunerin“ verstärkt den ohnehin erzählerischen Charakter und besteht aus drei Verszeilen. Den zweiten inhaltlichen Abschnitt bilden die zweite und dritte Strophe gemeinsam, sie beinhalten die Folgen der Einsamkeit, nämlich Verlust, Angst und Kommunikationsstörungen, und umfassen je vier Verszeilen. Der dritte und letzte inhaltliche Abschnitt ist die vierte Strophe, sie personifiziert die Einsamkeit, welche „dich“ nun liebt und umarmt.
Das gesamte Gedicht umfasst lediglich ein Satzzeichen, es werden überhaupt keine Beistriche verwendet, Zäsuren kommen fast nach jeder Verszeile vor, Grund dafür sind die zerrissenen Sätze, die sich sogar über zwei Strophen hinziehen können. Die ganze letzte Strophe besteht aus einem Satz, in dem ein wesentlicher Teil fehlt. Somit wird eigentlich aus zwei Sätzen („Lieben wird die / die Einsamkeit“ und „die Einsamkeit / wird dich umarmen“) ein Satz, in welchem das Subjekt („die Einsamkeit“) nicht doppelt verwendet wird.

Der Vergleich der beiden Gedichte zeigt, dass das Thema „Einsamkeit“ die größte Gemeinsamkeit darstellt, wobei sich in Bezug auf das Empfinden derselbigen die Gemüter scheiden. Lists Vorstellung von Einsamkeit ist äußerst positiv, er verherrlicht sie und kann sie als Wegweiser und Tröster gebrauchen, wogegen sich Rose Ausländer die Einsamkeit fürchtet und sie als Angst einflößend und grausam beschreibt. Dabei muss aber beachtet werden, dass List zur Zeit der Aufklärung gelebt hat, während die jüdische Lyrikerin Ausländer den Holocaust miterlebt hat und dadurch einen völlig anderen Bezug zu Einsamkeit bekam.

Beide Gedichte beschreiben ein und denselben Zustand, und dennoch wird dieser von beiden Dichtern als völlig unterschiedlich wahrgenommen und zeigt große Differenzen in der Verbundenheit zur Einsamkeit.

Samstag, 3. Oktober 2009

Gedichtvergleich

Die beiden romantischen Kunstlieder „Sehnsucht“ (1819) von Joseph Freiherr von Eichendorff und „Der Spinnerin Lied“ (1802) von Clemens Brentano basieren auf dem Motiv „Sehnsucht nach vergangener Einheit“. Im Folgenden werde ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen und genauer beschreiben.


Meine Arbeit startet mit dem Kunstlied im Volksliedton „Sehnsucht“ von J. F. v. Eichendorff. Es entstand in der Epoche der Romantik Anfang des 19. Jahrhunderts. Dieses Gedicht behandelt das typische Motiv der Literatur der Romantik, Sehnsucht nach einem vergangenen und verlorenen Zustand, der eine Einheit darstellt.
Dieses Kunstlied besteht aus drei Strophen zu je acht Zeilen. Das Metrum ist unregelmäßig, es werden bevorzugt Daktylen verwendet. Inhaltlich ist dieses Gedicht in zwei Hälften getrennt. Von der ersten bis zur zwölften Zeile beschreibt das lyrische Ich seine Perspektive (Erinnerungen) vom Fenster aus, wogegen ab der dreizehnten bis zur letzten Zeile der Inhalt des Liedes der wandernden Gesellen beschrieben wird. In der ersten Strophe werden auffallend viele Adjektive benutzt, wie „golden“, „einsam“, „still“, dadurch wird das Gefühl der Sehnsucht verstärkt. Die in der zweiten und dritten Strophe verwendeten Verben vermitteln durch die Worte „Marmorbilder“, „Paläste im Mondschein“ und „Gärten“ das Bild der harmonischen Idylle, einem Topos der Romantik. Es werden durchgehend viele Enjabements verwendet, die zusammen mit dem Kreuzreim den Kunstlied-typischen Charakter unterstreichen.

Das zweite Gedicht „Der Spinnerin Lied“ von Clemens Brentano umfasst insgesamt sechs Strophen, die jeweils aus vier Verszeilen bestehen. Das Versmaß ist jambisch und die einzelnen Verszeilen werden bis auf die letzte Strophe alle über Enjabements miteinander verbunden. Es herrscht ein umarmender Reim vor, jedoch kommen auf die jeweils 24 Verszeilen nur drei verschiedene Reimschemata. Die einzelnen Verszeilen werden geschickt untereinander variiert, sodass man bei unkonzentriertem Lesen den Eindruck bekommt, dass sich vieles wiederholt. Jedoch gibt es bis auf zwei Ausnahmen, keine einzige identische Verszeile („da wir zusammen waren“ und „Gott wolle uns vereinen“). Phonetisch auffällig ist der häufig gebrauchte Selbstlaut „a“, „Es sang vor langen Jahrenhrenhrehrhisheirhshrhhren“, oder „Da sang die Nachtigall“. Damit soll die Sehnsucht nach einer vergangenen Einheit, einem verlorenem Paradies, das unerreichbar ist, ausgedrückt werden. Durch diese schmerzlichen Erinnerungen an die vergangene Harmonie soll ein neues Paradies entstehen.


Das Hauptmotiv der Romantik, nämlich die Sehnsucht nach der idyllischen Vergangenheit, ist auch in diesen beiden Gedichten thematisiert. Eichendorff erzählt von einem Lied zweier junger Gesellen, die von diesem ersehnten Zustand singen, in Brentanos Gedicht übernimmt eine Spinnerin die Aufgabe des lyrischen Ichs. Sie „singt“ ebenfalls von ehemaligem Zusammensein und vergangener Einheit. „Der Spinnerin Lied“ geht nicht so ins idyllisch bildliche wie „Sehnsucht“, es wird mehr mit Metaphern gearbeitet (das Spinnrad als „Rad der Zeit“, oder der „Schicksalsfaden“). Wogegen Sehnsucht die klassischen Ideale der „Kunstheimat“ verwendet, „Paläste“, „Gärten“ und „Marmorbilder“ sind keine realen Schauplätze, sondern allgemeine Synonyme, die eine poetische Harmonie darstellen. Zwar ist die Hauptthematik dieser beiden Gedichte gleich, doch bei „Der Spinnerin Lied“ ist der persönliche Bezug stärker, da die Spinnerin ihren verlorenen Geliebten besingt. Eichendorff dagegen besingt einen nicht realen Ort, nur ein Sinnbild einer harmonischen Idylle.
Beide Gedichte sind typische Kunstlieder im Volksliedton. Die gebräuchlichen Reime, der Kreuzreim (Sehnsucht) und der umarmende Reim (Der Spinnerin Lied) unterstützen diesen Charakter. Der übersichtliche Inhalt, die als naives Träumen über die Vergangenheit wahrgenommene Poesie, die bei genauerem betrachtet, doch sehr komplex ist, ist auch ein sicherer Hinweis auf ein Kunstlied. Auch die Anzahl der Verszeilen ist identisch, nur teilt Eichendorff seine 24 Verszeilen in nur 3 Strophen auf, außerdem sind diese im Durchschnitt fast doppelt so lang wie Brentanos, der sein Gedicht in sechs Strophen á vier Zeilen einteilt.

Auch heute ist diese Art von Volkslied noch bekannt. In modernen Volksliedern wird oft diese Art von Sehnsuchtsmotiv verwendet und sie sind entweder in einem Kreuz- oder in einem umarmenden Reim verfasst und haben den gleichen melancholischen Charakter der romantischen Poesie.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass beide Gedichte auf die Hauptmotivik der Romantik eingehen, sich jedoch auf der persönlichen Ebene unterscheiden. Auch in der Rhetorik gibt es Unterschiede: während Brentano eine einfache, wortkarge Sprache wählt, verwendet Eichendorff klingende und abwechslungsreiche Ausdrücke. Mich persönlich spricht „Der Spinnerin Lied“ mehr an, da seine Komplexität auf Grund der verschachtelten Sprache erst nach mehrmaligem Lesen und erst mit der Bearbeitung zum Vorschein kommt.

Montag, 1. Juni 2009

Erziehung und Disziplin

Die Kinder unserer Zeit stellen die Weichen für unsere Zukunft. Doch die fehlende Disziplin macht sich immer mehr bemerkbar, und das nicht besonders positiv. Lässt sich eine liebevolle Erziehung etwa nicht mit Disziplin vereinen? Das Interview mit Dr. Bueb gibt Aufschluss über Erziehungsmethoden und Werte der heutigen Gesellschaft. Diesen werde ich im Folgenden versuchen in eigenen Worten zusammen zu fassen und genauer zu beleuchten.

Ob jemand später ein erfolgreiches Leben führen wird, ist laut Bueb schon an der Erziehung abzulesen. Denn werden die großen Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit in der Erziehung vernachlässigt, werden sie niemals einen großen Stellenwert bekommen. Auch die Sekundärtugenden Gehorsam, Pünktlichkeit und Ordnungssinn sind von großer Bedeutung, da sie helfen, die obigen Werte zu verwirklichen.

Aber durch den Nationalsozialismus wurden Werte wie diese negativ konnotiert, und dadurch wurde Erziehung immer mehr zu „Gärtnerei“. Die Pflanze darf reifen und wachsen wie sie will- sie wird höchstens ein bisschen nachgestutzt. Der Pädagoge Bueb verlangt jedoch nach „Töpfern“.m Das soll heißen, trotz des negativen Zusammenhanges mit der NS-Zeit, Pädagogen, die formen und klare Konturen vorgeben.

Um die Liebe nicht zu vernachlässigen, muss das Hauptmotiv jedes guten Pädagogen Liebe sein. Dadurch verwandelt sich seine Macht in legitime Autorität. Kinder brauchen Disziplin als Rückgrat ihrer Erziehung. Durch Disziplin wird man angetrieben, sie kann bei orientierungslosen Kindern sogar heilend wirken, sie sozusagen wieder auf den richtigen Weg lenken.

Es gibt viele positive Formen der Disziplin, die das Kind zum eigenständigen Tun anregen und den Tatendrang für Leistung fördern. Dem Kind sollte Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Gewissenhaftigkeit nahegelegt werden. Es muss lernen, dass man mit Disziplin mehr erreicht als ohne. Dies wirkt sich insofern positiv aus, indem das Kind die gelernte Disziplin in der Schule oder im Berufsleben erfolgreich anwenden kann. Es weiß, dass es sich lohnt, da es in den Noten und Erfolgen des Kindes ersichtlich wird, wie positiv sich Disziplin auswirken kann. Das Kind muss auch merken, dass diese Erfolge auf sich selbst zurückzuführen sind, damit die positive Wirkung dieses Erziehungskonzepts anhält.

Im Gegensatz dazu gibt es auch negative Formen der Disziplin. Dabei bekommt das Kind von Anfang an mit, dass es zum Beispiel ohne Disziplin es nie zu etwas bringen wird. Wird das dem betroffenen Kind zu viel eingetrichtert, kann es sein, dass es sich im späteren Leben nur an den eigenen Erfolgen misst und sich selbst als Mensch vergisst. Leistung um jeden Preis bringen zu müssen wird zum krankhaften Gedankengut.


Disziplin spielt für mich in der schulischen sowohl als auch in der beruflichen Welt eine große Rolle. Um gute Erfolge verbüßen zu können, ist Disziplin gefragt. Disziplin beinhaltet für mich auch Durchhaltevermögen, welches bei Vorbereitungen auf Tests und Ähnlichem nicht fehlen darf. Auch der Wille, eine Schulkarriere positiv zu absolvieren, muss vorhanden sein. Dieses habe ich leider öfters an vielen Schulkollegen vermisst. Die einziger dieser Schulkollegen und Kolleginnen, die wieder auf den rechten Weg gefunden hat, ist nun zwei Schulstufen unter mir. Das aber auch nur durch Hilfe von außen und viel Arbeit und Disziplin.

Disziplin ist meines Erachtens nicht alleine das „Tor zum Glück“. Es ist viel mehr einer der richtigen Pfade, die zu diesem „Tor“ führen. Sie hilft uns auch, nicht von den anderen Pfaden abzukommen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das „Tor zum Glück“ hat man gefunden, wenn man all seine positiven Eigenschaften samt Disziplin richtig miteinander vereinbaren kann.

Disziplin muss in den richtigen Maßen genossen werden. Sie hilft uns auch nach vorn zu schauen und Leistungen zu erbringen, die uns widerrum im Leben einiges einfacher machen. Sie motiviert uns vielleicht auch dazu, unsere eigenen Kinder mit viel Liebe und Disziplin aufzuziehen. Ein solcher Erziehungsstil wird auch unseren Kindern viel Erfolg im Leben sichern.

Freitag, 13. März 2009

Reportage

Zwei vermummte Unbekannte sind einem Dritten dicht auf den Fersen. In einer dunklen Nische bringen sie ihr Opfer in ihre Gewalt. Das einzige was nun auf diese drei Personen hindeutet, ist das Geräusch dumpfer Schlage und schmerzvolles Stöhnen. Sie sind ein unbeteiligter Passant und der einziger Zeuge dieser Gewalttat. Wie würden sie reagieren?

"Solche Situation sind immer kritisch", meint Sicherheitsexperte und Selbstverteidigungstrainer Udo S. aus Berlin. "Die meisten Menschen sind in Situationen wie dieser oft nicht fähig spontan zu handeln und fühlen sich überfordert und hilflos. Sie versuchen die Situation mit wegschauen und ignorieren auszublenden. Darum ist ein Selbstverteidiungstraining unabdinglich, welches hilft in Gefahrenzonen intuitiver zu handlen und vor allem die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Doch was verlangt die Zivilcourage, wenn man Zeuge eines Raubes, körperlicher Gewalt oder gar Schlimmerem wird? Rudolf H. aus Dresden erlebte so ein Schreckenszenario am eigenen Leib. "Ich war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Ich war müde und unachtsam. Alls diese Männer mich zu Boden stießen und anfingen mir ins Gesicht zu schlagen, war ich so perplex, das ich im ersten Moment gar nicht wirklich reagieren konnte. Als ich meine Notlage erkannte fing ich an zu schreien und meine Angreifer abzuwehren. Doch Hilfe konnte ich keine erwarten. Vorhänge wurden zugezogen, Passanten eilten mit starrem Blick zur Seite davon. Als sie schließlich von mir abließen, konnte ich mir mit letzter Kraft noch einen Rettungswagen rufen."

"Die Geschichte des Herrn H. ist leider kein Einzelfall. Die Zivilcourage als Moral- und Ehrvorstellung hat in der heutigen Zeit einiges an Bedeutung verloren", so Udo S. "Doch auch nur ein Anruf bei der Polizei oder eine Zeugenaussage seitens der Passanten helfen enorm bei der Täterermittlung und stellen auch eine Art Prävention für die Zukunft dar."

Mittwoch, 4. März 2009

Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer

Das Gedicht „Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer“ wurde 1962 vom Deutschen Hans Magnus Enzensberger verfasst. Es richtet sich gegen die breite Masse des Volkes, die im Gedicht als falsche, faule „Lämmer“ bezeichnet wird.
Im Folgenden werde ich dieses Gedicht genauer analysieren und besonders auf die auffälligen rhetorischen Mittel eingehen.
Dieses moderne Gedicht ist aus fünf Strophen zu jeweils acht, zehn, acht, sechs und sieben Verszeilen aufgebaut. Es weist kein festes Versmaß auf und folgt auch keinem Reimschema. Das „lyrische Ich“ wendet sich direkt an die breite Masse, in welche der Leser unweigerlich miteinbezogen wird. Rhetorisch sehr auffällig sind vor allem die Verwendung der Metaphern und die teilweise sehr sarkastisch formulierten rhetorischen Fragen und der Aufbau. Darauf werde ich später genauer eingehen.

Die ersten beiden Strophen bilden zusammen den ersten inhaltlichen Abschnitt, die jeweils aus acht und zehn Verszeilen bestehen. Durch die vielen Enjabements am Zeilenende fällt die akustische und optische Betonung auf die nächste Verszeile sehr stark aus. Auch die Anapher „was“ der ersten Strophe lässt die Fragen, die an die Leser gerichtet sind, viel vorwurfsvoller und ausdruckstärker erscheinen. Die verwendeten Metaphern sind vielseitig deutbar und haben einen sarkastischen Beigeschmack. Durch diese skurrilen Bilder („soll der geier vergißmeinnicht fressen?“) und die direkten Fragen sichert sich Enzensberger die Aufmerksamkeit der Leser. Die rhetorischen Fragen stellt die Gleichgültigkeit der Masse noch mehr in den Vordergrund.

Die in der zweiten Strophe verwendeten rhetorischen Mittel ähneln denen der ersten sehr. Um die Fragen prägnanter zu gestalten werden viele Enjabements, meist nach dem Fragewort „wer“, eingesetzt. Diese rhetorischen Fragen haben einen ebenfalls sehr sarkastischen Charakter und das vorwurfsvolle „denn“ in der ersten Verszeile („wer näht denn dem general/den blutstreif an seine hosen?“) lässt eine Schuld der angesprochenen Menschen an z.B. Kriegen mitklingen. Durch die Anspielungen auf „politruks und päpste“ sowie auch durch die Begriffe „general“ und „blutstreif“ lenkt das Gedicht auch deutlich auf das Thema Politik hin. Enzensberger verwendet in Verbindung mit der Anapher auch einen Klimax und formuliert seine eigentliche Aussage, nämlich die Gier und Bestechlichkeit der Menschen in einer zynisch sarkastische Frage (wer/nimmt das trinkgeld, den silberling, den schweigepfennnig?“).

Im zweiten inhaltlichen Abschnitt, der die letzten drei Strophen beinhaltet, werden die rhetorischen Fragen durch kühl formulierte, konkrete Eigenschaften des Volkes ersetzt. Die breite Masse wird als wahrheitscheu, lern- und denkfaul bezeichnet. In der ersten Strophe des zweiten Abschnitts werden auch zum ersten Mal die Wölfe mit dem Satz „das denken/überantwortend den wölfen“ erwähnt. In diesen ersten vier Verszeilen klingt auch viel Verachtung und Abneigung des Dichters gegen diese Menschengruppe durch. Um die Faulheit der Menschen bezüglich selbstständigem Denken zu verdeutlichen, verwendet Enzensberger die Metapher „der nasenring euer teuerster schmuck“. Gleichzeitig wird diese Verszeile im Schema einer Inversion dargestellt um die Konnotation des Begriffs „Nasenring“ hervorzuheben. Richtig gedeutet soll das heißen, dass die Beschuldigten sich wie Vieh herumkommandieren lassen und dass sie das nicht als besonders störend empfinden. Mit dem verachtenden Klimax „keine täuschung zu dumm, kein trost/zu billig, jede erpressung/ist für euch noch zu milde“ wird auch die Einfältigkeit und Gleichgültigkeit des Volkes ausgedrückt und angeklagt.

In der zweiten Strophe des zweiten Abschnitts wird der Leser wieder direkt angesprochen, da die Vorwürfe direkt an die breite Masse („ihr“) gerichtet sind. Zum ersten und einzigen Mal wird das Volk als „lämmer“ bezeichnet, und auch die „wölfe“ werden beschrieben. Die Lämmer werden mit den Krähen gleichgesetzt und mit der Zeile „ihr blendet einer den andern“ als falsch und hinterlistig enttarnt. Die Wölfe werden als brüderlich und gemeinschaftsfähig („sie gehen in rudeln“) beschrieben. Diese starke Gegensätzlichkeit dieser zweier Gruppen wird durch Enjabements, die akustisch und optisch eine Zäsur zur Folge haben, zusätzlich unterstrichen.

Die in der vorherigen Strophe positiv beschriebenen Wölfe werden in der dritten und letzten Strophe nochmals in Erinnerung gerufen. Die Inversion „gelobt sei´n die räuber“ lässt diese Verszeile wie einen Imperativ klingen, als Aufforderung diese zu huldigen. Die Lämmer jedoch werden wieder nur mit dem allgemeinen Ausdruck „ihr“ bezeichnet, und bezichtigt, absichtlich provokant und unüberlegt zu handeln. Die Metapher „werft euch aufs faule bett/ des gehorsams" wird stark durch das Verb „werft“ beeinflusst, da es auf eine vorsätzliche Handlung hinweist. Das „faule Bett des Gehorsams“ kann einerseits als angenehmer oder bequemer Platz in der Gesellschaft interpretiert werden. Einerseits kann „faul“ auch als schlecht oder nicht vertrauenswürdig ausgelegt werden. Diese Metapher verstärkt den Vorwurf „einladend zur Vergewaltigung“, der aussagt, dass dieser Gehorsam und diese Unterdrückung des Volkes von ihnen selbst gewollt ist. Sie sind zu bequem und denkfaul um sich gegen negative Veränderungen aufzulehnen. Eine Zäsur, die durch ein Enjabement vor der endgültig letzten Verszeile eingeleitet wird, verleiht der kühlen, abfälligen Feststellung „ihr/ändert die welt nicht mehr“ einen verachtenden Charakter.

Dieses Gedicht hat mich im Sinne der tiefgründigen Metaphern und des beißenden Sarkasmus fasziniert. Aber auch klar formulierte Aussagen über das denkfaule Volk stehen im Kontrast zu den Bildern, und insbesondere dadurch bleibt das Gedicht glaubwürdig und regt zum Nachdenken an.
Auch heute noch ist die Aussage des Gedichtes legitim, schließlich wurde es erst vor knapp fünfzig Jahren verfasst. Außerdem bin ich der Meinung, dass das Gedicht in hundert oder mehr Jahren nicht weniger an Gültigkeit verlieren wird, denn denkfaule Mitläufer und unterwürfige Ja-Sager gab es schon vor tausenden von Jahren und wird es auch weiterhin geben.

Abschließend sollte noch einmal die Kernaussage dieses lyrischen Textes verdeutlicht werden. Enzensberger hatte genug von der Falschheit und geistigen Bequemlichkeit der gemeinen Bevölkerung. Obwohl diese als Lämmer bezeichnet werden, stellen sie für die Allgemeinheit eine größere Bedrohung dar als die Wölfe. Sie lassen sich ohne großes Nachdenken leiten und sind in Wahrheit falsch und korrupt. Es gibt zu viele meinungslose Mitläufer und zu wenig eigenständige Persönlichkeiten, die genug Mut und Konsequenz besitzen, um ihre eigene Meinung glaubhaft zu begründen und standhaft zu vertreten.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Begriffsanalyse

Disziplin

Umschreibung
Zucht und Ordnung

Synonyme
a) Einzelwissenschaft, Fachbereich, Fachgebiet, Fachrichtung, Lehrfach, Spezialgebiet, Unterrichtsfach, Wissenschaftszweig
b) Sportart

Antonyme
Nachgiebigkeit, Zuchtlosigkeit;

Überbegriffe
Tugend;

Unterbegriffe
a) Fachdisziplin, Hilfsdisziplin, Paradedisziplin, Rechtsdisziplin, Spezialdisziplin
b) Sportdisziplin, Wettkampfdisziplin, Wurfdisziplin

Beispiele
a) Manche der Geisteswissenschaftler unter den Professoren hätten überhaupt zum ersten Mal mit den Kollegen anderer Disziplinen über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen.
Bei der Positiven Psychologie handelt es sich um eine akademische Disziplin, um Wissenschaft.
Als erster Asiat erhielt der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen 1998 den Nobelpreis. Der in Harvard lehrende Inder geht die großen philosophischen Fragen seiner Disziplin an.
b) Ähnlich wie beim Biathlon werden zwei Disziplinen vereint: vier Minuten Schach, drei Minuten Boxen, wieder Schach et cetera.
Erst wenn die Wunden grob verheilt sind, könne alle das Training in ihrer schwächsten Disziplin, dem Schwimmen, wieder aufnehmen.

Etymologie
lateinisch: disciplina = Lehre, Zucht, Schule

Funktionsbeschreibung
Disziplin hat eine erzieherische Funktion. Sie dient sozusagen als Prävention normverletzenden Verhaltens.

Strafe

Synonyme
Bestrafung, Abrechnung, Buße, Denkzettel, Heimzahlung, Lehre, Sühne, Vergeltung, Vergeltungsmaßnahme, Sanktion, Pönale, Strafvollzug, Folge, Geldstrafe, Strafaktion;

Antonyme
Lob, Preis, Belohnung;

Überbegriffe
Aktion, Handlung, Operation, Gesetz;

Unterbegriffe
Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Hauptstrafe, Jugendstrafe, Konventionalstrafe, Körperstrafe, Nebenstrafe, Todesstrafe, Vertragsstrafe;

Beispiele
Er muss zur Strafe ins Gefängnis.
Für dieses Verhalten bekommst du eine Strafe!

Etymologie
vom Mittelhochdeutschen: strafe in der Bedeutung "Zurechtweisung", "Tadel"

Funktionsbeschreibung
Sanktion, wegen Fehlverhaltens erhaltene Reaktion
Strafen sollen zur Einsicht führen und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung des Fehlverhaltens mindern;

Ist Bestrafung sinnvoll?
Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, kommt es doch auf viele Faktoren des Fehlverhaltens an. Bestrafung im Sinne von körperlicher Gewalt stellt für mich überhaupt keine Lösung dar. Der Bestrafte sollte aus seinem Fehler lernen, und mit physischer Gewalt wird dieser nur verängstigt. Wahrscheinlich macht er diesen Fehler nicht noch einmal, doch daraus gelernt hat er nicht. Darum sollten Strafen meiner Meinung nach auch eine erzieherische Wirkung haben, dem Bestraften sein unangemessenes Verhalten vor Augen führen und ihm zum Umdenken bewegen.




Dienstag, 16. Dezember 2008

Friedrich Schiller: "Die Räuber"

Das Drama „Die Räuber“ wurde von Friedrich Schiller (1759-1805) zur Zeit des Sturm und Drang (1767-1885) verfasst und erschien erstmalig im Jahre 1781. Die Epoche des Sturm und Drang ist stark geprägt durch ein revolutionäres Gedankengut und eine kritischere Sicht der Gesellschaft und fand Anhang vor allem unter der jungen Bevölkerung. Der „Fetzenstil“ (kurze Sätze, viele Ausrufezeichen) ist ein wichtiges Merkmal der Literatur dieser Epoche.
Im Folgenden werde ich mich eingehend mit verschiedenen Thematiken des Werkes, wie der Tyrannei und dem Bild von der damaligen Gesellschaft beschäftigen, klären, inwiefern diese Kritik an Tyrannei und Gesellschaft noch aktuell ist und meinen persönlichen Eindruck bezüglich der oben genannten Themen schildern.

Das Bild von Franz, dem Tyrannen, wird sehr deutlich am Ende des ersten Aktes/erste Szene sichtbar. Franz führt hier einen langen Monolog, er spricht von Macht und Kraft. Seiner Ansicht nach hat der Stärkste die „Erlaubnis“ sich über jegliche Regeln, jede Moral hinwegsetzten. Er sagt: „Jeder hat gleiches Recht zum Größten und Kleinsten, Anspruch wird an Anspruch, Trieb an Trieb und Kraft an Kraft zernichtet. Das Recht wohnet beim Überwältiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze.“ (S.17)
Er hält auch nichts von Bruderliebe oder Vaterliebe. Er nützt jede erdenkliche Chance um seinen großen Bruder Karl vor dem Vater Maximilian schlecht zu machen, was auch an dieser Textstelle gut zu erkennen ist: „Schändlicher, dreimal schändlicher Karl! Ahndete mirs nicht, da er, noch ein Knabe, den Mädels so nachschlenderte, mit den Gassenjungen und dem elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herumhetzte, den Anblick der Kirche, wie ein Missetäter das Gefängnis, floh, und die Pfennige, die er Euch abquälte, dem ersten dem besten Bettler in den Hut war, während daß wir daheim mit frommen Gebeten und heiligen Predigtbüchern uns erbauten?“ (S.11) Franz schreckt auch nicht vor Mord zurückt, zu groß ist sein Hass und Neid auf das „Schoßkind“ Karl. Getrieben von seinen Wahnvorstellungen, befiehlt er im vierten Akt/zweite Szene dem langjährigen Hausdiener Daniel den als Grafen verkleideten Karl umzubringen: „Bei deinem Gehorsam befehl ich dir, morgen darf der Graf nimmer unter den Lebendigen wandeln“. (S.95) Sein Tyrannendasein findet seinen Höhepunkt, als er nicht einmal davor zurück schreckt, seinen eigenen Vater verhungern zu lassen, oder als er versucht, Amalia mit allen Mitteln für sich zu gewinnen. Er meint, ihren Stolz brechen zu können indem er ihr droht, sie ihn ein Kloster zu stecken: „ Noch weiß ich Mittel, die den Stolz eines einbildischen Starrkopfs so hübsch niederbeugen können – Kloster und Mauren!“. (S.77) Doch er bemerkt, dass er nicht einmal damit ihren „Starrkopf“ für sich gewinnt, und seine letzte Drohung ist sie zu seiner Mätresse zu machen. „-meine Mätresse sollst du werden, daß die ehrlichen Bauernweiber mit Finger auf dich deuten, wenn du es wagst und über die Gasse gehst.“ (S.78)

In diesem Werk wird ein sehr negatives Bild von der gehobenen Gesellschaft entworfen. Alle positiven Charaktere sind niederen Standes oder wie Karl Revoluzzer oder „Ausbrecher“.
Karls Ansichten über das „schlappe Kastratenjahrhundert“ wie er es nennt, sind typische Weltansichten der Anhänger des Sturm und Drang. Er hält auch nicht viel von den damaligen Gesetzen: „Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brüchtet Kolosse und Extremitäten aus.“ (S.20) Der von Franz gefälschte Brief vom Vater an Karl ist der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Karl nimmt die von den Räubern vorgeschlagene Rolle als Räuberhauptmann in größter Ekstase an: „ –Räuber und Mörder! – So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauptmann“! (S.32)
In Bezug auf Moral und Ehre vertritt er seine Ansichten von Gerechtigkeit, die Scheinheiligkeit, die schwarzen Schafe der Gesellschaft und auch die Taten der Kirche passen nicht in sein Weltbild: „Da donnern sie Sanftmut und Duldung aus ihren Wolken, und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem feuerarmigen Moloch – predigen Liebe des Nächsten, und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Türen hinweg; […] – Ich bin kein Dieb, der sich mit Schlaf und Mitternacht verschwört, und auf der Leiter groß und herrisch tut – was ich getan habe, wird ich ohne Zweifel einmal im Schuldbuch des Himmels lesen, aber mit seinen erbärmlichen Verwesern will ich kein Wort mehr verlieren. Sag ihnen, mein Handwerk ist Wiedervergeltung – Rache ist mein Gewerbe.
Um auf die positiven Charaktere des Werkes zurückzukommen, darf man keinesfalls Daniel, den frömmigen Hausdiener, vergessen. Seine hohe Achtung vor Gott und sein reines Gewissen hindern ihn daran, den Befehlen seines Herren Franz nachzukommen. Er bleibt standhaft: „ und Ihr wollt mir den letzten Trost rauben im Sterben, daß der Wurm des Gewissens mich um mein letztes Gebet bringe, daß ich ein Greuel vor Gott und Menschen schlafen gehen soll? Nein, nein, mein liebster, bester, liebster gnädiger Herr! Das wollt Ihr nicht, das könnt Ihr nicht wollen von einem einundsiebenzigjährigen Manne.“ (S.96)
Auch Amalia bleibt ihrem versprochenen Karl das ganze Stück über treu. Ihre moralischen Vorstellungen von Mann und Frau hindern sie daran, die Hoffnung auf Karl und ein „Happy-End“ zu verlieren. Als Karl sie jedoch im fünften Akt/zweite Szene auf Grund seines Schwurs gegenüber den Räubern verstößt, sieht sie keinen anderen Ausweg mehr, als sich ermorden zu lassen: „ –Tod ist meine bitte nur. – Verlassen, verlassen! Nimm es ganz in seiner entsetzlichen Fülle, verlassen! Ich kanns nicht überdulden. Du siehst ja, das kann kein Weib überdulden. Tod ist meine Bitte nur!“ (S.137)

Betrachtet man die Kritik an Tyrannei und Gesellschaft zur Zeit des Sturm und Drang im Kontext von heute, wird einem sehr schnell bewusst, dass diese durchaus berechtigt ist. Tyrannei ist immer noch aktuell, es wird immer Menschen geben, die sich aufgrund ihrer Macht und ihrer gesellschaftlichen Stellung über alle Gesetze hinwegsetzen können, sind sie selbst doch das Gesetz. In einigen Ländern der Welt sitzen derartige Tyrannen sogar auf dem Thron oder zumindest in der Regierung, und es ist nicht immer leicht, sich eines Tyrannen zu entledigen.
Auch Karls Feindbilder, nämlich bestechliche, scheinheilige und unehrliche Personen, die wissen, wie sie ihre Macht am besten nützen, gibt es immer noch. Es gibt immer noch Intrigen, bei denen aus falschen Freunden Feinde werden, wie im Buch im vierten Akt/fünfte Szene zu sehen ist. Spiegelberg, der von Anfang an böse Absichten gegenüber Karl gehegt hat, wird von Schweizer ermordet: „Ha, Bestie! Eben recht erinnerst du mich an die böhmischen Wälder! Warst du nicht die Memme, die anhub zu schnadern, als sie riefen: Der Feind kommt? Ich hab damals bei meiner Seel geflucht – fahr hin Meuchelmörder!“ (Er sticht ihn tot) (S.108)

Inhaltlich hat bei mir die damalige Vorstellung von Moral und Ehre den bleibensten Eindruck hinterlassen. Dabei haben mich vor allem die vorbildhaften und ehrenwerten Einstellungen der positiven Charaktere beeindruckt. Ein gutes Beispiel stellt Daniel dar, der auf Grund seiner moralischen Verpflichtungen gegenüber Gott und seinem Gewissen Franz’ Anliegen den Grafen zu ermorden nicht nachkommt: „Gnädiger Herr! ich bin heute einundsiebenzig Jahr alt, und hab Vater und Mutter geehret, und niemand meines Wissens um des Hellers Wert im Leben vervorteilt, und hab an meinem Glauben gehalten, treu und redlich und erwarte itzt ein ruhig seliges Ende, ach Herr,Herr! und ihr wollt mir den letzten Trost rauben im Sterben, daß der Wurm des Gewissens mich um mein letztes Gebet bringe, daß ich ein Greuel vor Gott und Menschen schlafen gehen soll?“ (S.96)
Auch dass Karl sich am Ende des Stückes ausliefert, um so seiner Meinung nach alles zum Guten zu wenden,s ist ehrenswert und vorbildhaft. Mit seiner freiwilligen Auslieferung kann er sogar noch einem Mann helfen: „Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben, als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat – Man hat tausend Louisdore geboten, wer den großen Räuber lebendig liefert – dem Mann kann geholfen weren.“ (Er geht ab.) (S.139) Mit dieser selbstlosen Tat Karls endet das Drama.

Anschließend möchte ich noch erwähnen, dass dieses Werk von Schiller sich nicht hauptsächlich auf die Handlung, sondern vor allem auf die Moralvorstellungen und die daraus resultierenden Konsequenzen konzentriert. Ohne diese Vorstellungen wäre ein solcher Verlauf der Handlung nicht möglich.

Freitag, 31. Oktober 2008

Wahlkampf 08

Im folgenden Aufsatz werde ich mich eingehend mit der Nationalratswahl 08 beschäftigen. Ich möchte einige interessante Gedanken einfließen lassen, wie z.B. meinen persönlichen Eindruck vom Wahlkampf, Themen, denen mehr Gehör geschenkt werden sollte, aber auch Themen, die ich kritisiere, und eine Idee, um den Wahluninteressierten unter uns Politik schmackhafter und leicht verdaulicher zu machen. In den folgenden Absätzen werde ich mich der Reihe nach diesen vier Themen eingehender widmen und auch meine persönliche Meinung dazu abgeben.

Der Wahlkampf 08 wurde von den Parteien SPÖ, ÖVP, den Grünen, der FPÖ und dem BZÖ angeführt. Die Hauptaussage auf vielen Plakaten war auf die bisherige Koalition SPÖ-ÖVP bezogen, und die Parteien versuchten ihre Standpunkte als Neuanfang anzupreisen.
Die SPÖ vertraute auf ihre treuen Wähler und hielt sich mit Aufsehen erregenden Aussagen zurück, und auch bei der Wahl der Plakatgestaltung zogen sie schlichte Plakate vor. Im Gegensatz dazu stieß die rechtspopulistische FPÖ mit ihrem Wahlprogramm und ihren Plakaten, nämlich ihre Einstellung gegenüber Ausländern und ihrem verstärkten Patriotismus, nicht nur auf taube Ohren (Zum Thema Ausländerfeindlichkeit werde ich mich in einem der folgenden Absätze näher äußern.). Der Spitzenkandidat der FPÖ (HC Strache ) sorgte für genügend „schlechte“ Publicity, z.B. mit Aufsehen erregenden Fotos, die ihn mit Gewehren und in eindeutig rechtsradikalen Posen zeigten, was offensichtlich nicht gerade ein Schritt in die falsche Richtung war, denn die FPÖ konnte dieses Jahr sogar ein Platz auf dem Treppchen ergattern. Seine Plakate und Wahlprogramme sollten linksorientierte Wähler zum Umdenken animieren, seine rechtspopulistischen Anhänger bestätigen und neutrale Neuwähler (wie z.B. Jugendliche) auf seine Seite ziehen. Wie man am Wahlergebnis deutlich erkennen kann, ist ihr Konzept aufgegangen.
Das BZÖ vertrat im Wahlkampf die gleichen Interessen, Vorhaben und „Wahlzuckerl“, wie ihr großer Bruder die FPÖ. Sie setzen auf übertriebenen Patriotismus (z.B. „Deinetwegen. Österreich) und geben uns mit ihrer unterschwelligen Botschaft „mehr Sicherheit“ zu verstehen, dass sie sich zu den rechtsorientierten Parteien zählen, da sie jeden straffällig gewordenen Asylanten abschieben wollen.
Die Grünen versuchten Wähler zu gewinnen und die übrigen Parteien in den Schatten zu stellen, indem sie die bisherige Koalition SPÖ-ÖVP kritisierten (z.B. „genug gestritten“) und sich wählernah präsentierten. Doch bei den diesjährigen Nationalratswahlen konnten sie ihr Vorhaben nicht in die Tat umsetzen, liegen sie doch weit abgeschlagen sogar hinter der Splitterpartei BZÖ (Jörg Haider).
Obwohl die eher konservative ÖVP als Spitzenpartei gehandelt wird, haben sie dieses Jahr trotzdem einige Wählerstimmen verloren und aufgrund ihres Wahlprogramms nicht viele Jungwähler angesprochen. Trotzdem holte sich die Volkspartei die Silbermedaille der diesjährigen Nationalratswahl.

In diesem Absatz komme ich nun zu Themen, denen mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Jede Partei verharrte im Wahlkampf meist auf wenigen Themen, insbesondere Themen, die auf Jugendliche ansprechend wirken sollen. Die SPÖ setzte auf die Halbierung der Mehrwertssteuer, die ÖVP auf strengere eine Justiz und Pensionserhöhung. Die rechtsorientierten Parteien FPÖ und die Splitterpartei BZÖ setzten auf verstärkten Patriotismus und Ausländerfeindlichkeit und die Grünen schenkten dem Umweltschutz ihr Hauptaugenmerk.
Meiner Meinung nach hätten diese fünf Parteien auch ihre anderen, sicherlich auch ansprechenden Programmpunkte näher erläutern sollen.
Für mich sind vor allem die Themen Umweltschutz und Bildung von großer Bedeutung. Umweltschutz insofern, da wir für kommende Generationen eine lebenswerte Welt sichern sollten und es mich als Jugendlicher auch anspricht, da ich in 50 Jahren nicht nur noch mit einer Sauerstoffmaske auf die Straße gehen möchte, weil die Luft derartig durch Abgase und sonstige Schadstoffe verpestet ist.
Das Thema Bildung hat bei mir auch einen sehr großen Stellenwert, besonders auf die Studiengebühren und alles rund um das Studium selbst bezogen. Obwohl die Studiengebühren noch vor der Wahl abgeschafft worden sind, glaube ich nicht wirklich, dass dies in Zukunft weiterhin so bleiben wird. Wahrscheinlicher ist es, dass dieser Schritt in Richtung fairere Bildungschancen eher ein „Wahlzuckerl“ war und in nächster Zeit wieder rückgängig gemacht wird. Doch das hoffe ich nicht, denn jeder hat ein Recht auf Bildung, ob derjenige Geld hat oder nicht.
Meiner Meinung nach wäre es wichtig, dass die einzelnen Parteien im Wahlkampf noch erläutern sollten, wie sie ihre Programmpunkte in die Tat umsetzen möchten. Denn es ist sicherlich hilfreich, abschätzen zu können, welches Wahlzuckerl in nächster Zukunft als realistisch umsetzbar gilt oder nur dem Zweck dient, möglichst viele gutgläubige Wähler zu gewinnen.


Eine Kritik möchte ich am Wahlprogramm der Freiheitlichen Partei Österreich anbringen. Ihre rechtspopulistischen Aussagen gegenüber AusländerInnen und AsylantenInnen schockieren viele, wie auch mich. Was mich jedoch sehr wundert, ist, dass die Öffentlichkeit den Rechtspopulismus der FPÖ und BZÖ so akzeptierte, wie sie ihn in ihrem erbitterten Wahlkampf publik gemacht haben.
Die FPÖ scheut sich nicht vor abwertenden, rassistischen Äußerungen, verwendet dubiose Slogans auf ihren Plakaten und verhält sich menschenverachtend gegenüber „Nicht-ÖsterreicherInnen“. Obwohl ich auch nicht dafür bin, jeden Asylantrag zu bewilligen, sollte man politischen Flüchtlingen zumindest die Chance auf ein Leben in Sicherheit und mit Lebensqualität geben.
Mit ihren rassistischen Aussagen befinden sich Strache und seine Anhänger meiner Meinung nach gerade noch an der Grenze zum extremen Rechtspopulismus. Dennoch schnitt die Freiheitliche Partei im Wahlkampf prozentuell sehr gut ab. Doch ich glaube oder hoffe, dass die FPÖ-Wähler, insbesondere die Jungwähler, sich allzu sehr von seinen Aussagen leiten haben lassen, und seine wahren Absichten nicht ganz begriffen haben.
Da die rechtsorientierte Partei FPÖ sich in den Medien, auf ihren Plakaten und ihrer Wahlwerbung hauptsächlich auf diesen Punkt, nämlich auf „Ausländer raus“, beschränkt haben, und mir sonst fast überhaupt keine anderen Programmpunkte zu ihnen einfallen, haben sie meine größte Kritik am Wahlkampf verdient.

Wahlmüdigkeit und politisches Desinteresse? Die Parteien hofften durch die Senkung des Wahlalters auf eine neue Zielgruppe, die sie auf ihre Seite ziehen können, doch die Mehrheit der Jugendlichen blieben am Wahlsonntag lieber zu Hause. Obwohl in der Schule wochenlang besprochen, diskutiert und recherchiert wurde, gehört Politik noch immer nicht zu den Interessen der Jugendlichen. Den meisten Jugendlichen ist gar nicht bewusst, was ihre einzelne Stimme alles verändern kann- im guten und im schlechten Sinn- denn jede Stimme zählt! Ihnen scheint die Welt der Politik zu abstrus und kompliziert, als dass man sich schon damit beschäftigen müsste. Ein gutes Beispiel stellt die Wahlkabine auf einer Webseite dar. Sie ist eine öffentliche Homepage, die Wahlunsicheren durch Standardfragen ihre Interessen erforscht und ihnen dann die passende Partei vorschlägt.
Die Parteien sind zwar bemüht, auch Jugendliche dazu zu motivieren, sich für Österreich einzusetzen, doch dieser Plan ist schwer umzusetzen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich die Politiker noch nicht gänzlich auf jugendliche Interessen eingestellt haben.
Damit Parteien auch auf Jungwähler attraktiv und ansprechend wirken, sollten diese sich auch auf Themen konzentrieren, die Jugendliche für wichtig halten, wie zum Beispiel eine gesicherte Lehrstelle, ein Anspruch auf eine weiterführende Schule, ein besseres öffentliches Verkehrsnetz oder auch ein gesichertes Einkommen, speziell für Lehrlinge und Praktikanten.
Denn welcher 16-Jährige entscheidet sich für eine Partei, deren größtes Anliegen die Pensionserhöhung ist?

Zum Schluss möchte ich noch betonen, dass ich das herabgesetzte Wahlalter trotzdem als gute Idee empfinde, da man sich so früh wie möglich mit Politik beschäftigen sollte. Nicht nur passiv wie z.B. in der Schule, sondern auch aktiv wie dieses Jahr, als zum ersten Mal auch 16 und 17-jährige zum Ergebnis der Nationalratswahl beitragen durften.
Noch kurz zur Wahl im Allgemeinen: Die einen Parteien setzten auf Zurückhaltung, wogegen andere Parteien „schockierten“ und Aufsehen erregten und trotzdem punkteten. Dazu möchte ich noch sagen, dass ich es als beängstigend empfinde, dass die Mehrheit der BürgerInnen solche rechtsorientierten Ansichten als „gottgegeben“ akzeptieren und dass nicht gezielt gegen solche Patrioten im negativen Sinne protestiert wird.
Damit sich Parteien für kommende Wahlen auch einige Jungwählerstimmen sichern, sollten sie im Wahlkampf verstärkt auch auf deren Interessen eingehen. Und damit das politische Interesse geweckt und die Wahlmüdigkeit vertrieben wird, sollte Politik auch für Wähler, die keine Zeit oder Lust für Recherchen haben, verständlicher und wählernah sein.

Montag, 2. Juni 2008

Abend

Das Sonett ,,Abend“ wurde von Andreas Gryphius (1616-1646) in der Barock-Epoche verfasst. Es beschäftigt sich mit dem Motiv Memento-mori (= Gedenke des Todes). Im Folgenden werde ich auf die einzelnen Merkmale und auf die Details näher eingehen.

Dieses Gedicht besteht aus 2 Quartetten und 2 Terzetten, die auf dem typischen Metrum, dem Alexandriner (ein sechs-hebiger Jambus), aufgebaut sind. Der Rhythmus ist regelmäßig und die erste und zweite Strophe folgen dem Reimschema abba, die dritte und vierte Strophe bestehen aus dem Reimschema ccd bzw. eed. Die männlichen und weiblichen Kadenzen treten wie folgt auf : mwwm mwwm wwm wwm.
Sprachlich auffällig ist vor allem das Enjabement, das oft vorkommt, die Imperative und die Metaphern.

Die ersten beiden Verszeilen der ersten Strophe versinnbildlichen den Einbruch der Nacht, der mit einer Metapher dargestellt wird. Der Einbruch der Dunkelheit wird mit dem Bild ,,die Nacht schwingt ihre Fahn“ verdeutlicht. Auch ,, und führt die Sterne auf“ ist eine Metapher, die die Dämmerung bildlicher darstellt.

Die zweite Strophe beinhaltet in nahezu jeder Verszeile eine Metapher. Angefangen bei der ersten Zeile wird ,,der Port“ als Himmelspforte dargestellt, wo ,,gleich wie dieses Licht verfiel ich und du und alles was man hat und sieht, hinfahren“. Das bedeutet, dass jeder, wenn er stirbt, zu diesem Ort hinkommt. In der letzten Verszeile wird das Leben mit einer Rennbahn verglichen, was heißen soll, dass das Leben sehr schnell vorbei ist.

In der dritten Strophe werden viele Imperative, die als Rufe zu Gott dienen, verwendet. Bei der ersten und zweiten Verszeile wird außerdem eine Anapher verwendet (Laß, hächster Gott, … Laß mich nicht Ach) Dadurch wird das ,,Laß“ leicht betont, obwohl es nach dem Metrum eigentlich unbetont gehört. In der zweiten Verszeile wird ein Klimax (Ach, Pracht/ Lust, Angst) verwendet.

In der vierten und letzten Strophe wird das Sterben mit einer Periphrase umschrieben (,, wenn der müde Leib entschläft“) und die Seele wird personifiziert Es ist wieder ein Enjabement zu finden, nämlich von der zweiten in die dritte Verszeile. In der zweiten Zeile wird der Tod oder das Sterben wieder im Zusammenhang mit einer Periphrase verwendet (,, und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen“) Die zweite und die dritte Zeile aus dem zweiten Quartett werden durch ein Enjabement miteinander verbunden. Die Schlusszeile beinhaltet einen Imperativ und dient als indirekter Ruf an Gott (,, so, reiß mich aus dem Tal der Finsternis zu dir“)

Das Gedicht würde sicher noch in unsere Zeit passen. Der Anfangssatz ,, der schnelle Tag…“, diese ersten drei Worte, spiegeln schon mal einen großen Teil des modernen Alltags wieder, man lebt zu schnell. Die Leute früher hatten nicht so sehr Angst vor dem Tod, sonder davor, was sie nach dem Tod erwartet. Das zeigen die Bitten und Rufe im Gedicht (,,Laß, höchster Gott“). Wir haben nicht so sehr Angst, was nach dem Tod auf uns wartet, sonder was kurz vor dem Tod ist, nämlich das Altern.

Zum Schluss möchte ich noch einmal zusammenfassen, wodurch sich dieses Gedicht auszeichnet. Der Imperativ, wird als Ruf an Gott verwendet, die Metaphern werden hauptsächlich in den beiden Quartetten verwendet. (= um den Einbruch der Nacht zu versinnbildlichen) Die einzelnen Verszeilen der Quartette werden durch Enjabements geschickt miteinander verbunden.

Samstag, 24. November 2007

Was tun gegen Komasaufen?

Die Bundesdrogenbeauftragte Bätzing stellte die jüngste ,,Sauf-Statistik" vor- und plädierte wie die Familienministerin von der Leyen für staatliche Testkäufer.,,Vor zehn Jahren waren die Themen ,,Heroin und die Kinder vom Bahnhof Zoo", aktuell gehe es um die Sauferei", so der Psychiater Oliver Bilke. Die Effekte von Flatrate-Partys, Komasaufen und Gewohnheitstrinkerei unter Jugendlichen kann Bilke jeden Tag in seiner Klinik verfolgen. Immer mehr 15- bis 16-jährige werden eingeliefert, weil sie chronisch alkoholabhängig sind. ,,Die Tendenz geht zu Drogen, die sich gut in das Leben von Jugendlichen integrieren lassen", sagt Bilke. Will heißen: Heroin wirkt of abschreckend, weil es Jugendliche oft zu Drop-Outs macht. Alkohol hat dieses Abschreckungspotenzial nicht. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) sprach sich auf der Pressekonferenz kurz vor der Tagung für den umstrittenen Vorschlag von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) aus, Jugendliche verstärkt als Testkäufer einzusetzen. Sie sollen herausfinden, ob sich Gastwirte, Supermärkte und Trinkhallen an den Jugendschutz halten, allerdings nannte sie auch Bedingungen: Die Testkäufer müssen mindestens 16 Jahre alt sein, außerdem gut geschult und von einer Behörde betreut. Fazit: Bisherige Einsätze von Testkäufer seien erfolgreich gewesen, insbesondere dann "wenn die lokale Presse darüber berichtet". Schließlich will sich kein Unternehmer öffentlich den Vorwurf machen lassen, er versorge Kids mit harten Getränken. Einige Statistiken zum Alkoholkonsum von Jugendlichen: Ein Prozent der 11-jährigen greift einmal pro Woche zu Flasche. Unter den Pubertierenden kippt sich ein Viertel mindestens ein Mal pro Monat richtig zu. Mädchen, die sie laut Statistiken in früheren Jahren eher zurückgehalten haben, betanken sich inzwischen häufiger.Bätzing hält nichts von einem kompletten Alkoholverbot für Jugendliche. ,,Sie müssen lernen, mit Alkohol maßvoll und verantwortlich umzugehen", sagte sie.Dabei spielen Eltern und Erwachsene im Umfeld der Teenager nach Bätzings Einschätzung eine zentrale Rolle: Sie würden vorleben, ob und wann "man" trinke, der Nachwuchs ahme es nach. Derzeit liege Deutschland hinsichtlich des Alkoholkonsums von Jugendlichen im "oberen Drittel" der europäischen Länder.Die Rechnung dafür zahlt die Gesellschaft. Nach Bätzings Angaben nimmt der Staat zwar 3,3 Mrd Euro über die diversen Alkoholsteuern ein, aber die volkswirtschaftlichen Kosten des Alkoholkonsums bedingt durch Autounfälle, Krankheiten etc. - liegen weit höher nämlich bei 19 Mrd Euro.Alkohol ist offenbar nur für die Produzenten ein gutes Geschäft.


Zum Vorschlag von Familienministerin Ursula von der Leyen bezüglich Testkäufern: Dass die Testkäufer mindestens 16 Jahre alt sein müssen, verwundert mich stark. Meiner Meinung sollte man höchstens 16-jährige als Testkäufer einsetzen, da man bis zu 40%igen Alkohol schon mit 16 legal kaufen und konsumieren darf. Ich persönlich fände es besser, wenn sie 13 bis 15-jährige einsetzen würden. Weiters sollten jene Verkäufer, welche ,,harten Alkohol" an unter 16- oder 18-jährige verkaufen, ohne einen Lichtbildausweis oder sonst einen Ausweis zu verlangen, angezeigt werden und mit einer hohen Geldstrafe belangt werden.


Meiner Meinung nach kann man gegen den Alkoholkonsum Jugendlicher mit Verboten und Strafen alleine nicht viel ausrichten.Drogenberatungstellen und Plakate sollten den Jugendlichen vor Augen führen was dieses regelmäßige ,,Besaufen" mit ihren Körpern besonders aber in ihrem Hirn anrichtet. Man sollte ihnen veranschaulichen, dass Alkohol dem Körper, genauso wie alle anderen Drogen auch, mit der Zeit schadet. Alkoholismus entwickelt sich schleichend, aus dem anfänglichen ,,Bock aufs Saufen" wird langsam aber kontinuierlich zu einer unkontrollierbaren Sucht. Alkoholiker bleibt man ein Leben lang, egal ob trocken oder nicht. Am besten fängt man erst gar nicht an regelmäßig zu trinken. Alkohol sollte man (und frau) nur in Maßen genießen.

Sonntag, 11. November 2007

"Menschenkenntnis"

,, Once in a life…“, mein i-Pod spielt gerade die letzten Takte meines Lieblingsliedes, als ich mich im Bus neben diesen eigenartigen Mann setze. Ich mustere ihn eingehend, doch als er meine neugierigen Blicke bemerkt, drehe ich mich weg. Mir ist aufgefallen, dass er sichtlich zusammenzuckt, als ich ihn kurz unabsichtlich beim Versuch meinen i-Pod in meiner Schultasche zu verräumen, streife. Er sitzt zusammengekauert neben mir, und ich traue mich fast zu behaupten, dass es ihm ziemlich unangenehm ist, so nah neben einem fremden Menschen zu sitzen. Er blickt steif auf seine Hände, mit denen er nervös spielt. Seine Frisur sieht aus als, ob kein Haar dort wäre, wo es nicht sein sollte. Sein Alter ist schwer zu schätzen. Nach dem äußeren Erscheinungsbild scheint er schon fast pedantisch zu sein, und seine Körperhaltung offenbart sein womöglich fehlendes Selbstvertrauen. Auch seine Fingernägel, welche ziemlich abgeknabbert wirken, lassen mich darauf schließen, dass er wahrscheinlich sehr oft sehr nervös ist. Doch man soll doch keine Vorurteile haben. Vielleicht ist er in Wirklichkeit, ein vor Selbstbewusstsein strotzender Mann, und kein armer Junge, wie es mir gerade scheint. Nach drei weiteren Stationen drückt er vorsichtig den Halteknopf, sowieso wundere ich mich, dass bei dieser bedachten Aktion das Schild mit der Aufschrift ,,Wagen hält“ überhaupt rot aufblinkt. Doch der Bus ist so voll, dass der Mann keinen Platz zum Aufstehen findet und einfach mit einem leisen Seufzer die ganze Situation hinnimmt. Doch das wundert mich ehrlich gesagt nicht.

Sonntag, 17. Juni 2007

Selbstvorwürfe

,,Wie konnte das nur passieren? Warum hab' ich denn all die Zeit nicht gemerkt", fragte sich die Mutter immer und immer wieder. Unruhig lief sie im Zimmer auf und ab, die Tränen rannen ihr in dicken Tropfen über das gerötete Gesicht. Was bin ich denn nur für eine Mutter, die die wachsenden Depressionen ihres Sprösslings nicht erkennt und somit sein Leben mitgefährdet? Selbstvorwürfe überkamen sie, ließen sie fast ohnmächtig werden, ließen sie am ganzen Leibe zittern. Draußen vor dem Fenster heulten Sirenen, lenkten die Mutter kurz von ihrem Elend ab. Sie lief zum Fenster, um nachzusehen wohin die Rettungswägen fuhren. Was war da passiert? Etwa das gleiche das mit meinem Sohn geschah? Nein, Gott konnte und durfte so etwas Schreckliches nicht schon wieder zulassen... Gedanken an den Tod, ihren eigenen, raubten der Mutter fast den Verstand. Sie war müde, müde vom Denken, müde vom Weinen.
Sie wollte schlafen, den ewigen Schlaf, doch sie war zu aufgewühlt, um zur Ruhe zu kommen.
Gedanken an ein Leben nach dem Tod, in dem sie sicher ihren über alles geliebten Sohn wiedersehen würde, Gedanken daran, ob ihre Familie mit ihrem Tod, ihrem Selbstmord, zurechtkommen würde, vor allem ihr schwerst alkoholkranker Mann, der die Familie so oder so nicht mehr ernähren kann.
Ach, ich kann nicht mehr darüber nachdenken, was ich den anderen damit antun werde, ich kann nicht mehr..

Am nächsten Morgen stand in dicken Lettern auf der Titelseite der Tageszeitung:,, Mutter des Toten Thomas N. heute Morgen tot aufgefunden- die Polizei vermutet Selbstmord"..